Künstliche Vermehrung großpolypiger Steinkorallen Beispiel Symphyllia

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    • Künstliche Vermehrung großpolypiger Steinkorallen Beispiel Symphyllia

      Künstliche Vermehrung großpolypiger Steinkorallen der Gattung Symphyllia



      Meine Koralle kurz nach dem Kauf.


      Meine Symphyllia habe ich im Dezember 2013 gekauft. Diese großpolypige Steinkoralle hat eine weinrote bis lila Grundfarbe und jeweils gelbe Münder. Mir gefällt diese Farbe ausgesprochen gut. Diese Symphyllia verträgt ohne weiteres NO3 Werte von 5 bis 50 mg/l und P04 Werte zwischen 0,1 bis 0,5 mg/l. Niedrigere Werte hatte das Becken auch schon, aber dabei wurde jeweils gut zu Gefüttert.

      Mit einer Dosierpumpe füge ich täglich Calciumchlorid Dihydrat, Natriumhydrogencarbonat, und Planktongel zu. Im Moment führe ich alle vierzehn Tage eine Kontrolle der Wasserwerte durch und fülle die fehlenden Mineralien aufgelöst in Osmosewasser laut AquaCalculator nach. Spurenelemente werden täglich zugegeben. Meine Zielwerte sind:

      Calcium: 440

      Magnesium: 1350

      KH: 10

      Diese Werte werden in der Praxis nicht erreicht, da das Becken ja ständig Mineralien abbaut und die Dosierung bis zu einer Woche in Anspruch nimmt.

      Zur Fütterung von LPS muss ich anmerken, daß eine Fütterung mit einem Mindestabstand von 1-2 Tagen Pause durchgeführt wird, da die Koralle die Möglichkeit haben sollte die Essensreste auch wieder entlassen zu können. Wird eine Nahrungspause nicht eingehalten, kann es zum Verderb der Nahrung kommen und die Koralle beginnt sich zu zersetzen.



      Das Muttertier mit einem fertigen Ableger aus einer der ersten Teilungen.



      Die Koralle habe ich bereits mehrfach vermehrt. Bisher habe ich über. 20 Tochterkorallen heran gezogen. Die Vermehrung durch künstliche Teilung der Polypen an sich halte ich für eine Katastrophe für die einzelne Koralle aber für einen Segen für die Korallenart. Meiner Meinung nach sollten sich viele Meerwasseraquarianer überlegen, ob Sie einen Betrag zur Erhaltung der Riffe leisten können und entsprechend Korallen oder weitere Tiere heranziehen können.

      Aus meiner bisherigen Erfahrung heraus habe ist fest gestellt, daß die Korallen, welche zu Vermehrung genommen werden, bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen.

      - Sie sollen besonders gesund und fit aussehen.

      - Es ist von Vorteil große Tiere zu teilen. Kleinere Tiere oder Abschnitte haben es schwerer mit dem Eingriff klar zu kommen. Es ist einfacher größere Tiere zu füttern.

      - Die einzelnen Abschnitte müssen mindestens einen Mund besitzen, besser Drei.

      - Nach dem Teilen kann es vorkommen, daß ein Teil des Polypengewebes abstirbt, wenn dann noch ein Mund erhalten bleibt, so ist dies von Vorteil.

      - Im Verhältnis zu kleinen Korallen, wachsen größere Kolonien im Verhältnis schneller.

      Zuletzt habe ich entschieden kleinere Korallen, welche 2 Ableger ergeben würden nicht mehr zu teilen. Jetzt bevorzuge ich große Korallen zu teilen, bei denen noch ein Muttertier zurück bleibt und nur ein Drittel abgeschnitten wird. Dieses Drittel habe ich bei der dokumentierten Vermehrung erst einmal wieder heilen lassen und erst Monate später entsprechend der Wülste noch einmal in 8 Teile geteilt.

      Das für die weitere Teiung vorgesehene Drittel, direkt nach dem einsetzen ins Aquarium.


      Hier ist das Drittel gut Verheilt, direkt vor der nächsten Teilung.


      Das gleiche Teil außerhalb des Wassers.


      Die Teilstück des Drittels.


      Hier die aufgeklebten Teilstücke.


      Frisch zurück im Aquarium.


      Neue Ableger sind fertig.

      Die Teilung selbst nehme ich mit einer Bandsäge vor, welche für Glasarbeiten konzipiert wurde. Die Säge befülle ich mit Osmosewasser zur Kühlung. Osmosewasser führt offenbar nicht zu Schäden am Korallengewebe.

      Beim Sägen setzt sich der Sägeschlamm auch auf dem Korallengewebe nieder. Dieser Schlamm muss unbedingt auf dem Gewebe liegen bleiben. Beim entfernen diese Belages schädigt man die Schleimschicht der Koralle, was dann im weiteren Verlauf der Arbeiten zu echten Schäden an der Koralle führt.

      Wenn die Korallenteile fertig geschnitten sind, müssen die Schnittstellen gut getrocknet werden. Zum Trocknen verwende ich Zeitungspapier zu Lagerung und Papierküchentücher zum Abtupfen nur der Schnittstellen.

      Das Muttertier kann ohne Versorgung direkt zurück in sein Aquarium. Es hat sich gezeigt, daß ein verschließen der Wunde bei gesunden Tieren nicht nötig ist und gut verheilt.

      Als Korallenmörtel verwende ich die in 10 – 15 Minuten aushärtende Art. Es werden immer nur 2 -3 Teelöffel Mörtel anhand einer 20 ml Spritze mit etwas (ca. 10-15 ml) Osmosewasser versetzt. Eine größere Menge ist nicht zu verarbeiten, da die Masse zu schnell härtet. Einmal starr gewordener Zement ist auch nach neuer Wasserzugabe nicht wieder klebefähig. Der Zement sollte so trocken wie möglich aufgetragen werden, da selbst aus den abgetupften Schnittstellen noch viel Wasser austritt, sobald eine Berührung mit dem Zement erfolgt.

      Als Spachtel verwende ich Bambusspieße. In der Vergangenheit habe ich versucht die unförmigen Abschnitte mit diversem Totgestein so zu bekleben, daß der Ableger selbstständig stehen konnte. Dies ist viel zu aufwendig und führt zu merkwürdigen Konstruktionen. (Siehe Bilder)

      Jetzt bin ich dazu übergegangen das Korallenfragment unten so zu beschneiden, daß eine Flache Unterseite entsteht. Mit dieser geraden Fläche klebe ich ihn einfach auf eine gerade Platte und der Ableger ist standfest. Danach verschließe ich die restlichen Schnittkanten mit Riffmörtel mit einem1-2 mm Abstand zum Korallengewebe.

      In der Zeit in der sich die Ableger außerhalb des Wassers befinden, ist darauf zu achten, das Korallengewebe nicht abtrocknen zu lassen. Zum Befeuchten verwende ich Aquarienwasser aus einer Spritze und versuche lediglich das Korallengewebe zu benetzen. Zur schnelleren Trocknung des Mörtels kann Küchenpapier angelegt werden.

      Wenn dieser Zement erhärtet ist, stelle ich die Ableger in einen Eimer mit Aquarienwasser. Hier können die Korallen erst einmal eine Zeit stehen bleiben und auch noch nachhärten.

      Nach einer Stunde oder länger nehme ich jeden einzelnen Ableger in die Hand und versuche unter Wasser die Beläge mit einer großen Futterpipette ab zu spülen. Die Koralle hat sich in der Regel mit ihrem Schleim vor den Belägen vom Sägen und Kleben geschützt. Nach dem Reinigen können die Korallen zurück ins Becken. Das Wasser des Eimers mit dem Korallenschleim und den Mörtelresten wird entsorgt.

      Ein Monat ist zur Heilung nötig dann sind die Ableger transportfähig.

      Nach drei Monaten ist bei den Ablegern bereits ein kleiner kompletter neuer Randwulst rund um das Zentrum gebildet. Die Ableger sind also eine vollständige Koralle mit allen Körperteilen, lediglich der kleine Wulst kann noch etwas an Masse zulegen.

      Durch die Teilung von Aquariengewöhnten Tieren ist die Haltbarkeit der Ableger besser gesichert als bei Frischimporten. Die Farbqualität der Tiere und deren Ansprüche sind bekannt.

      Für mich ist es sehr interessant Korallen zu vermehren, so kann man der Meerwasseraquaristik schöne Ableger zur Verfügung stellen, ohne ins Meer eingreifen zu müssen.

      Viele Grüße

      Elisabeth
    • Liebe Elisabeth,

      sehr beeindruckend!! Bei mir hab ich leider oft das Gefühl, dass gerade LPS eher eingehen, wenn sie eine Verletzung haben - und Du zauberst aus der "Verletzung" viele Ableger, die auch noch wachsen! Dein Becken muss den Tieren wirklich eine super Umgebung bieten!

      : Hut : : Hut : : Hut :
      LG, Pat

      Ehem Scubaline 460 Marin,
      TMC MicroHabitat 60
      und ein altes, umgerüstetes Eheim 54 l Süßwasserbecken: 1xgross und 2xklein
      Eheim proxima 175 l: Nr. 5 lebt!
    • Henning schrieb:

      Ich persönlich habe es nie über das Herz gebracht so schöne Tiere zu bearbeiten.
      Dann hast du nicht das Zeug zum Händler Henning.
      Ohne schreddern geht bei denen doch nichts mehr...
      Warum so hoch Elisabeth?

      Elisabeth schrieb:

      Die Teilung selbst nehme ich mit einer Bandsäge vor, welche für Glasarbeiten konzipiert wurde.
      Kannst du da mal nähere Angaben zu machen? Bild?

      Gruß Guido
      Laß dir aus dem Wasser helfen, oder du wirst ertrinken, sprach der freundliche Affe und setzte den Fisch sicher auf den Baum.
    • Hallo!

      Danke für Eure positiven Rückäußerungen!!!


      So macht es Freude zu schreiben.




      Den Artikel hatte ich vor ca. 2 Jahren geschrieben und er lag hier noch in der Ecke.

      Weitere unveröffentlichte Berichte habe ich nicht mehr.

      @ Henning

      Die Teilung macht nur bei schönen Korallen Sinn. Die hässlichen Entlein möchte doch keiner haben.

      @ Scopa1

      Bei der Korallenteilung wie beschrieben habe ich noch nie Jod verwendet.



      @ Pat_2015

      Bei mir sind auch schon einige Korallen eingegangen, auch ohne daß ich sie „angerührt“ habe. Hoffentlich bekomme ich das immer besser in den Griff, ich arbeite noch daran.

      @ Guido

      Wir sprechen hier von Zielwert.

      10 ist deshalb so hoch weil es mittlerweile eigentlich 9 ist. 9 halte ich deshalb für nötig weil ich Sicherheitspuffer möchte, ich nur alle 2 Wochen kontrolliere dann auf 9 innerhalb einiger Tage anpasse. 9 wird daher eigentlich nie erreicht.

      tiffanyglas-ackiss



      VG


      Elisbeth