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Freitag, 8. November 2013, 20:05

Warum Haarsterne nur schwer im Aquarium haltbar sind...

Warum Haarsterne nur schwer im Aquarium haltbar sind...
Ein Artikel von Oliver Hock

Einleitung

Haarsterne – faszinierende und elegante Geschöpfe des Meeres. Fast jeder der diese Lebewesen schon einmal bei einem Händler im Verkaufsbecken erblickt hat, ist ihrer Schönheit und Anmut erlegen. Viele haben danach den Wunsch diese Tiere bei sich zu Haus im Aquarium zu pflegen. Meist wird dann in einer spontanen Kurzschlusshandlung so ein Tier erworben. Entweder ohne vorheriges Wissen über die Schwierigkeiten bei der Haltung oder trotz des Wissens, in der Hoffnung es besser zu machen als andere vor ihnen. Andere wiederum haben Mitleid mit den bei den Händlern teilweise dahinvegetierenden Haarsternen und wollen sie Retten. So gut gemeint die Absichten auch sein mögen, in der Regel sind diese Versuche zum Scheitern verurteilt, auch wenn es bereits vereinzelte Haltungsberichte gibt, die erfolgversprechend sind.

Gerade in den letzten Jahren sind unheimliche Erfolge im Bereich der Korallenpflege erreicht worden, so dass bisher als unhaltbar geltende Arten jetzt doch haltbar geworden sind (sei es durch die Entwicklung der Beleuchtung oder neuer Futtersorten). Bei den Haarsternen ist die Entwicklung jedoch noch nicht soweit. Zu viele Einflussfaktoren müssen bei der Haltung berücksichtigt werden. Dieser Artikel soll versuchen aufzuzeigen wo die Schwierigkeiten bei der erfolgreichen Haltung liegen.

Geschichtliches

Erste Funde von fossilen Stachelhäutern stammen aus dem frühen Kambrium von vor über 540 Millionen Jahren, wobei die ersten Crinoidea seit dem Unteren Ordovizium vor ca. 500 Millionen Jahren bekannt sind. Sie gehören somit zu den ältesten noch lebenden Echinodermata. Crinoidea brachte auch die größten jemals existieren Stachelhäuter hervor. Es handelte sich hierbei um bereits ausgestorbene Seelilien mit einer Stammlänge von bis zu 20 m (2).

Die verbliebenen, nicht ausgestorbenen Arten haben einen Jahrmillionen andauernden Selektionsprozeß (Evolutionsprozess) hinter sich und sind hochspezialisierte Lebewesen, die aufgrund ihrer Morphologie eine ganz bestimmte ökologische Nische geschlossen haben. In dieser ökologischen Nische gibt es für sie keine Nahrungskonkurrenten. Dies heißt auch im Umkehrschluss, dass keine zwei Arten von Haarsternen, die in einem Verbreitungsgebiet leben die identische Nahrung bevorzugen (1)(4)(5)(6).

Allein aus diesem Grund kann die Haltung bzw. die Ernährung von verschiedenen Haarsternen nicht miteinander verglichen werden! Dies erklärt auch schon warum die Haltung im Aquarium so schwierig ist und ich könnte hiermit meinen Artikel bereits beenden. Den Rest möchte ich aber nicht vorenthalten.

Verwandtschaft der Haarsterne

Haarsterne bilden mit den Seelilien die Klasse der Crinoidea und zählen mit zu den weltweit ca. 6.300 rezenten Arten von Stachelhäutern (Echinodermata). Es handelt sich bei den Echinodermata ausschließlich um Meerestiere. Zu den Echinodermata gehöhren weiterhin die Seesterne (Asteroidea), Schlangensterne (Ophiuroidea), Seeigel (Echinoidea), Seewalzen (Holothuroidea) und Seegänseblümchen (Concentricycloidea).

Zur Klasse der Crinoidea gehören etwa 620 rezente Arten. Die Mehrzahl der Haarsterne lebt im brandungsgeschützten Flachwasser bis in Tiefen von über 100 m. Seelilien hingegen, von denen es nur noch etwa 25 verschiedene Gattungen gibt, kommen in der Tiefsee bis in ca. 6.000 m Tiefe vor.

Während die Seelilien zeitlebens mit einem Stiel an einer Unterlage befestigt sind, gehen die Haarsterne im Erwachsenenalter zu einem frei beweglichen Leben über. Im Larvenstadium durchlaufen sie das sogenannte „Seelilienstadium“, in dem sie sessil am Boden – wie Seelilien auf einem langen Stiel- festhaften (2)(11)(12).

Aufbau der Haarsterne

Der Körper der erwachsenen Haarsterne besteht aus der Körperscheibe (Calyx) sowie aus Armen und Cirren. Der Körperscheibe entspringen seitlich fast immer gegabelte, häufig verzweigte Arme. Sie sind gegliedert und enthalten wechselständig angeordnete, lanzettförmige Fiederchen, die sogenannten Pinnulae, welche ihnen das federähnliche Aussehen verleihen. Die Arme können bei der kleinsten Berührung an speziellen Sollbruchstellen (Syzygien) abbrechen bzw. abgeworfen werden.

Haarsterne besitzen eine Außenhaut und ein Kalkskelett, welche unter der Epidermis im Mesoderm liegt und aus Calcit mit einem Magnesiumoxidanteil von drei bis fünfzehn Prozent besteht. Bei den Haarsternen liegt wie bei allen Stachelhäutern eine fünfachsige Symmetrie vor (sekundäre Pentametrie bzw. fünfstrahlige Radiärsysteme). Das Zentrum der Symmetrie bilden fünf Radien, die ein Kanalsystem und Radiärnerven enthalten, dazwischen befinden sich die Interradien. Das innere Kanalsystem (Ambulacralsystem) dient an dessen äußeren Fortsätzen der Fortbewegung bzw. dem Nahrungserwerb.

Die Körperscheibe der Haarsterne ist immer mit dem Rücken zum Boden bzw. zur Unterlage gedreht, d.h. der Mund und der After zeigen immer nach oben: Haarsterne laufen auf dem Rücken. Zur Fortbewegung benutzen die Haarsterne entweder ihre sehr beweglichen, stark gegliederten Cirren (Beine auf dem Rücken der Körperscheibe, also unten) oder sie schwimmen durch ein rythmisches auf und ab bewegen ihrer Arme.

Die Cirren dienen neben der Fortbewegung auch zum Festhalten am Untergrund bei der Nahrungsaufnahme. Es gibt Haarsterne mit abgewandelten Cirren („cirrenlose“ Haarsterne), die auf ganz bestimmte Untergründe angewiesen sind. Hier übernehmen dann einige spezialisierte Arme die Aufgabe der Cirren.

Sowohl die Arme als auch die Pinnulae sind mit Wimperchen (Ambulacralfüßchen) gesäumten Ambulacralrinnen ausgestattet. Die Ambulacralfüßchen sind jeweils in Dreiergruppen links und rechts der Ambulacralrinne angeordnet und befördern einen adhäsiven Schleim, welcher dem Haarstern zum Fang von Nahrungspartikeln dient, zum Mund.

Im Gegensatz zu den meisten Echinodermen haben Haarsterne keine speziell ausgebildete Madreoporenplatte, welche die Verbindung zum freien Wasser darstellt und über die sog. Steinkanäle mit dem Abulacralsystem verbunden ist. Bei den Crinoiden erfolgt die Verbindung zum freien Wasser über Porenkanäle der Mundscheibe. Man geht derzeit davon aus, dass die Öffnung des Ambulacralsystems in die Umwelt, nach dem Prinzip der hydraulischen Waage, ein ständiges Druckgleichgewicht zwischen externen Oberflächen und internen Teilen bewirkt (hier (10) beim Seeigel), d.h. es ist in jeder beliebigen Wassertiefe eine von allen Druckschwankungen im Körper unabhängige, isotonische Füßchenbewegung gewährleistet.

Der Darm der Haarsterne ist nur sehr einfach aufgebaut. Er ist im Uhrzeigersinn gewunden und kann in einen Mundbereich mit Schlund (Oesophagus), einem Magen, einen inneren Darmbereich und einen Reaktalbereich mit After unterteilt werden.

Haarsterne besitzen kein Herz. Das Blutgefäßsystem oder besser Hämalsystem, welches aus einem zentralen Ring (Hämalring) mit fünf Kanälen besteht, befindet sich entlang der Ambulacralkanäle. Es gibt eine Verbindung über das Axialorgan zum Abulacralsystem. Das kontraktive Organ regelt die Flüssigkeitszirkulation. Eine Exkretion, also die Ausscheidung der Stoffwechselprodukte, erfolgt über das Ambulacralsystem.

Anstelle eines Gehirns besitzen Haarsterne ein komplexes Nervennetz unterhalb der Epidermis und um den Darm. Ein Nervenring liegt um den Schlund, von dem ebenfalls Nerven entlang der Radialkanäle führen. Sie besitzen auch nur sehr wenige Sinnesorgane, vor allem die Epidermis reagiert durch eingelagerte Sinneszellen auf Licht, Temperatur, Bewegungs- und Strömungsrichtung (2)(3)(9)(10)(11)(12).

Der Nahrungserwerb

Comatulidae gelten als passive Suspensionsfresser, wobei sich das Passiv auf den Nahrungserwerb als solches bezieht. Haarsterne halten ihre gefiederten Arme an geeigneter Stelle in die Strömung und warten auf vorbei schwebendes Futter. Ihr Fangapparat funktioniert dabei eher als ein adhäsiver Faser-Filter als ein Sieb, da sie auch in der Lage sind Nahrungspartikel einzufangen, welche kleiner sind als der Abstand zwischen ihren Ambulacralfüßchen (14).

Nichols (9) untersuchte das Fressverhalten an Antedon bifida und fand heraus, das die Ambulacralfüßchen für das Einschleimen der Beute zuständig sind, was über Papillen (hier röhrenförmige Fortsätze der Wimperchen) geschieht. Diese Papillen sind mit Härchen versehen, welche direkt an Nervenfasern hängen. Trifft nun ein Futterpartikel auf diese Sensorhärchen der Papillen an den Ambulacralfüßchen, wird ein adhäsiver (= klebriger) Schleim aus den Papillen abgeschossen und der Ambulacralfuß schnellt Richtung Ambulacralrinne. Daraufhin setzen sich die anderen Ambulacralfüßchen in Bewegung und beginnen mit dem Weitertransport der Nahrung in Richtung Mund.

Jede Art von Haarsternen hat hierbei einen seinem Habitat angepassten, ganz speziellen Fangapparat zum Nahrungserwerb entwickelt (Anzahl der Arme und Pinnulae, Abstand und Anzahl der Ambulacralfüßchen etc.). Auch wenn es zwei Arten von Haarsternen gibt, welche das selbe Verbreitungsgebiet haben, ist die Art des Fangapparates unterschiedlich. Dies geht z.B. aus einer Untersuchung verschiedener Haarsterne am Lizard Island und Palau Island am Great Barrier Reef in Australien durch D. L.Meyer hervor (1). Auch wurde bei drei verschiedenen Haarsternarten des Roten Meeres festgestellt, dass sie zwar das selbe Verbreitungsgebiet aufweisen aber dort verschiedene bevorzugte Aufenthaltsorte (= ökologischen Nischen) einnehmen (13).

Eine Erklärung hierfür liefert Dr. Ron Shimek: Die während der Evolution treibenden Kräfte der natürlichen Selektion haben es durch Spezialisierung vermieden, dass es einen Wettbewerb um bestimmte Futterquellen gibt. Als Resultat – in vielen Situationen – hat dies dazu geführt, dass zwei Spezies mit ähnlichen Ernährungsansprüchen, die im selben Habitat leben nur co-existieren, weil sie verschiedene Dinge fressen. Da die gegebenen Resourcen begrenzt sind, geht bei einem Evolutionssprung auch immer irgendetwas anderes verloren. Jäger z.B., die sich wirklich auf gegebene Futterquellen spezialisiert haben, sind grundsätzlich nicht in der Lage andere Nahrung zu fressen. Ihnen fehlt möglicherweise ein bestimmtes Enzym um die „Chemikalien“ ihrer Opfer zu verdauen. Es gibt z.B. Seesterne welche in der Lage sind bestimmte giftige Schwämme zu fressen und deren Giftstoffe zu entgiften. Dies geht aber auf Kosten der Möglichkeit andere Giftstoffe von anderen potentiellen Nahrungsquellen zu entgiften. Es geht soweit, dass deren Chemorezeptoren so angepasst wurden, dass sie nicht mehr in der Lage sind andere potentielle Nahrung zu erkennen, auch wenn diese sehr nahrhaft ist (6).

Das Verhalten vom Erkennen von Nahrungspartikeln ist bei Haarsternen unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt sowohl unselektive als auch selektive Fresser. Holland, Strickler und Leonard (15) stellten z.B. in einem Versuch mit Videoaufnahmen an Oligometra serripinna fest, dass dieser in der Lage ist zwischen fressbaren und unfressbaren Partikeln zu unterscheiden. Hierfür wurde ein Exemplar in einem Laboraufbau mit nahrhaften und nicht-nahrhaften Partikeln zwischen 15 und 180 µm umspült. Nach dem Transport zu den Ambulacralrinnen der Pinnulae wurden nahrhafte Partikel (Muscheleier mit entfernter Gallerthülle) bis zum Mund transportiert, wohingegen nicht nahrhafte Partikel (Sephadex Perlen und Latex Kügelchen), nachdem sie die Ambulacralrinnen erreichten, binnen 1 bis 30 Sekunden wieder ans Wasser abgegeben wurden.

Interessanterweise wurden eben jene Muscheleier ebenfalls vom Haarstern abgewiesen, wenn diese eine noch intakte Gallerthülle besaßen. Es wird deshalb vermutet, dass die Entscheidung fressbar / unfressbar mittels Chemorezeptoren in den Ambulacralrinnen stattfindet. Außerdem konnte in dem Versuch nachgewiesen werden, dass die Vermutung von früheren Studien, bzgl. der Verwendung von langen Schleimfäden oder –netzen zum Fang von Nahrungspartikeln, nicht zutreffend waren (siehe auch Nichols (9).

Obwohl weitgehend angenommen wird, dass Haarsterne sehr emsig gleichbleibende aber niedrige Mengen Nahrung zu sich nehmen, konnte Haarsternen die Fähigkeit des maßlosen Fressens nachgewiesen werden. Diese Fähigkeit ging sogar soweit, das in einem Versuch von Holland, Leonard und Meyer (8) verfütterte Nauplii noch lebten, als sie den After des Haarsternes verließen. Der Haarstern wurde zuvor relativ massiv mit Nauplien gefüttert. Da die Möglichkeiten des überflüssigen Fressen in der Natur eher unregelmäßig und selten sind (z.B. Massenablaichen von Korallen), haben die Haarsterne offensichtlich kein Verhalten entwickelt, welches sie mit der Nahrungsaufnahme stoppen lässt, wenn der Verdauungstrakt gefüllt ist.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt von Spezies zu Spezies zu verschiedenen Zeiten. Es gibt ganztags-, dämmerungs- und nachtaktive sowie rein nachtaktive Arten. Dies mag mit den lokal auftretenden Planktonwanderungen in Zusammenhang stehen. Bei den ganztägig aktiven Arten kann sich die Aktivität jedoch auch darin beschränken, dass nur einige Arme aus dem Versteck heraus gestreckt werden.

Das entsprechende Futter

Wie weiter oben bereits beschrieben sind Haarsterne hochspezialisierte Lebewesen. Die Auswertungen der Nahrungszusammensetzung verschiedener Arten hat dementsprechend verschiedene Ergebnisse bezüglich Nahrung und Nahrungsgröße ergeben. Ein Problem bei der Untersuchung der Darminhalte der Haarsterne ist deren schnelle Verdauung. In Versuchen konnte nachgewiesen werden, dass Nahrung binnen 1h den Verdauungstrakt bis zum Rektum passiert hatte (8). Bei solch einer schnellen Verdauung ist der „Ausgangszustand“ der Nahrung entsprechend schlecht nachzuvollziehen.

So geben Rutman und Fishelson bei einer Untersuchungen von drei verschiedenen Arten Haarsternen aus dem Roten Meer an, dass deren Nahrung aus planktonischen und semi-bentischen Organismen mit einer starken Dominanz zu Zooplankton besteht. Monatliche Untersuchungen des Mageninhaltes zeigten dabei saisonale Schwankungen in der Zusammensetzung. Futterorganismen mit einer Größe bis 400 µm (entspricht 0,4 mm) bildeten dabei 90% der Nahrung. 80 Organismen konnten wegen des „Verdauungszustandes“ (siehe oben) noch nach Spezies identifiziert werden. Wohin gegen 10 Organismen wenigstens noch der Gattung zugewiesen werden konnten, der Rest konnte nur noch höheren Familien zugeordnet werden (13).

Andere Autoren stellten fest, dass die Nahrungszusammensetzung auch abhängig ist von der Fächerdichte und Stiellänge der Crinoidea (Stiele nur bei den Seelilien). Diatomeen (= Kieselalgen) Schalen wurden hauptsächlich bei bestielten Crinoiden im Darm gefunden, chlorophyll-ähnliches fluoreszierendes Material wurde hauptsächlich bei Crinoiden mit kurzem oder ohne Stiel gefunden. Die Gruppe von Crinoiden mit einer geringeren Fächerdichte enthielt mehr anorganische Partikel als die Gruppe mit einer höheren Fächerdichte. Die Ergebnisse bedeuten dass sich die verschiedenen Morphologien der Crinoiden durch Adaption an verschiedene ökologische Faktoren, wie z.B. die unterschiedliche Ernährung, entwickelten (4).

Die Spezialisierung auf spezifische Nahrung, welche bereits unter dem Punkt „Der Nahrungserwerb“ angesprochen wurde, hat nach Dr. Ron Shimek einen entscheidenden Nachteil für die Haltung solcher Tiere. Die speziell „notwendige“ Nahrung könnte eine bestimmte Sorte an essentiellen Nährstoffen enthalten die anderer Nahrung fehlt, auch wenn die andere Nahrung vom Tier akzeptiert wird und das Tier dadurch in der Lage ist eine längere Zeit von dieser Nahrung zu fressen. Die Situation würde analog dazu verlaufen wie wir es von Menschen kennen, welche sich über einen längeren Zeitraum mit Nahrung mit einem ungenügenden Vitamin-C-Gehalt ernährt haben und Skorbut bekamen (6).

Bei Messing (14) findet man Angaben zur Nahrung, welche sich aus Diatomeen, Dinoflagellaten (= Panzergeißler) und andere unizellulare Algen, Foraminiferen (= Kammerlinge), Radiolarien (= Strahlentierchen), Tintinniden (= Ciliaten = Wimpertierchen), Larven von Invertebraten (= Wirbellose) z.B. Schnecken, kleine Krebstiere (Copepoden = Ruderfusskrebse, Ostracoden = Muschelschaler) und Detrius-Partikel zusammensetzt. Oft sind auch eindeutig nicht verdaubare Partikel wie Sedimentkörner und Schwammnadeln vorhanden, was auf eine nicht selektive Nahrungsaufnahme bei einigen Arten schließen lässt.

Der Vergleich der Darminhalte verschiedener Individuen einer Art aus einer lokalen Population, von Haarsternen bei einem Tauchgang, wies erhebliche Unterschiede in der Zusammensetzung auf. Dies zeigt jedoch, dass ein zwischenartlicher NahrungsVergleich eher nutzlos ist. Nichts desto trotz bleibt die Rangliste der Häufigkeit und Daten bezüglich des Vorkommen bzw. Fehlen von Nahrungsorganismen nützlich.

Identifizierbare Nahrungskomponenten variieren erheblich zwischen den Crinoiden-Arten. Zum Beispiel machen Ciliaten, Foraminiferen und Radiolarien 50-87% der Nahrung von Lamprometra klunzingeri aus. Detrius macht 53-85% der Nahrung von Antedon bifida aus. Diatomeen und Dinoflagellaten stellen 54-57% der Nahrung von Oxycomanthus benetti und Pontiometra andersoni dar. Auch die Nahrungspartikelgröße variiert stark zwischen den Spezies, wobei der größte Anteil der Nahrungspartikel in den Bereichzwischen 20 und 150 µm fällt. Leonard gelang es erfolgreich Antedon mediterranea mit Coccolithophoren von 11 µm Größe zu ernähren. Einige Autoren diskutierten darüber, dass die Größe der Ambulacralrinne eine Begrenzung für die Größe der aufnehmbaren Partikel der Crinoiden darstellt. Einige Studien später wurde jedoch festgestellt, dass auch Partikel aufgenommen werden können, welche größer sind als die Breite der Abulacralrinne. Die Ambulacralrinne von Lamprometra klunzingeri hat eine Breite von 162 µm, dennoch weisen 26% der Partikel des Darminhaltes eine Größe von > 200 µm auf, einige waren sogar größer als 500 µm (leider wurde bei der Untersuchung nicht das Längen : Breiten Verhältnis der Partikel berücksichtigt). Lamprometra palmata hat eine Rinnenbreite von 200 µm und die maximal größten aller gefressenen Partikel waren < 200 µm. Bei Capillaster multiradiatus waren Elemente im Darm enthalten, die mit 350 – 500 µm wesentlich breiter als die Ambulacralrinne waren. Antedon bifida bewältige in einem Aquarienversuch Partikel die bis 1 mm groß waren.

Eine Aussage bezüglich Futtergröße in Abhängigkeit der Abulacralrinne kann deshalb nicht für alle Arten pauschal gegeben werden.

Weiterhin wird u.a. in zwei Studien über die Aufnahme von gelösten organischen Substanzen aus dem Meerwasser durch Wirbellose bzw. Echinodermata und Crinoiden berichtet. Die Aufnahmen solcher Substanzen – hauptsächlich Aminosäuren – scheint eine der wichtigsten Nahrungsquellen der Wirbellosen zu sein, da bereits in einer Studie von anderen Forschern nachgewiesen wurde, dass z.B. das Fangen von Phytoplankton durch Filtrierer nicht ausreichend ist um deren Stoffwechsel aufrecht zu erhalten und entsprechende Wachstumsraten zu erzielen.

Stephens und Schinske (18) untersuchen daraufhin 35 Arten mariner Wirbelloser aus 11 Stämmen, wobei 10 Stämme signifikante Mengen einer Aminosäure (Glycin) binnen 16 – 24 h aus der Versuchslösung entfernen konnten. Es ist also offensichtlich, dass die Aufnahme von Aminosäuren aus dem Meerwasser im Tierreich weit verbreitet ist. Die Aufnahmemenge von Glycin der einzelnen Arten differierte jedoch stark voneinander, z.B. waren bei dem Vergleich u.a. zwei Seesternarten betrachtet worden, wovon die eine Art 97% der Aminosäure aufnahm, die andere Art nur 63%.

Smith, Meyer und Horner (18) untersuchten gezielt das Aufnahmevermögen von verschiedenen Aminosäuren am Haarstern Cenometra bella, da bereits bekannt war, dass verschiedene marine Invertebraten beträchliche Mengen an gelösten organischen Subtanzen ausscheiden und von Stephens und Schinske bereits Untersuchungen in dieser Richtung unternommen wurden. Der Versuch sollte die Aufnahme von radioaktiv gekennzeichneten Aminosäuren zur Regeneration ihres fast gänzlich ausgeweideten Körpers nachweisen. Es wurde erwartet, dass eine Regeneration der Haarsterne nur über die Aufnahme von Aminosäuren geschehen konnte, da eine Regeneration über partikuläre Nahrung nicht möglich war (ohne Eingeweide). Hierfür wurden mehrere Tiere der o.g. Spezies bis auf das Nervensystem und ein weiteres Organ ausgeweidet und nach unterschiedlichen Zeitspannen in ein Becken mit einem Aminosäuregemisch gesetzt. Anhand der radioaktiven Isotope konnte dann nachgewiesen wo die Aminosäuren im Körper der Haarsterne „eingebaut“ wurden.

Die entsprechende Strömung

Am Haarstern Oligometra serripinna wurden Strömungskanal-Versuche bezüglich der Filterleistung seines Fangapparates gemacht. Das Ergebnis war nicht sehr verwunderlich: Das Peak der Filterleistung des Haarsternes lag sehr nahe an der vorhanden Strömungsgeschwindigkeit in seiner natürlichen Umgebung (7).

Meyer stellte Untersuchungen bezüglich der Länge und des Abstandes der Ambulacralfüßchen der Pinnulae an und stellte fest, dass ein Zusammenhang mit ihren Aufenthaltsorten im bzw. am Riff existiert. Spezies mit längeren und weiter auseinander stehenden Ambulacralfüßchen leben teilweise verborgen in der Infrastruktur des Riffes und halten ihre Arme und Pinnulaen in multidirektionaler Richtung. Sie erreichen so eine effizientere Filterleistung in vorwiegend langsamer, meanderförminger Strömung. Spezies mit kürzeren, enger stehenden Ambulacralfüßchen sitzen oben auf dem Riff bzw. auf Korallen und bilden eine planare Filterform welche rechtwinklig zur unidirectionalen Strömung oder dem Wellengang ausgerichtet werden. Engere Abstände der Ambulacralfüßchen bei Spezies welche mehr der Hauptströmung ausgesetzt sind, erfordern eine höhere Filterleistung bei höherer Strömung. Eine reduzierte Länge der Ambulacralfüßchen könnte eine Konsequenz aus dem engeren Abstand der Pinnulae sein. Die Differenzierung dieser Co-existierenden Spezies in der Länge und des Abstandes der Ambulacralfüßchen bedeutet einen differenzierten Fang von Nahrungspartikeln. Es wird deshalb vermutet, dass sich so die Nahrungsressourcen geteilt werden, da die meisten Spezies die in einem sich überlappendem Habitat leben signifikant verschiedene Abstände und Längen der Ambulacralfüßchen haben (1) .

Des weiteren stellte Shimek fest, dass nicht nur die Zusammensetzung der Nahrung bei der Pflege von Haarsternen eine Rolle spielt, sondern das auch die Strömung im Aquarium eine besondere Charakteristik haben muss. Haarsterne werden normalerweise nicht in Regionen gefunden, in denen turbulente Strömungen oder Brandung herrscht. Es ist auch fragwürdig, ob Haarsterne überhaupt in Riffaquarien überleben können, welche eine turbulente Strömung aufweisen, die von Strömungsgeneratoren wie Powerheads erzeugt wird. Auch wenn es bisher nicht untersucht wurde, benötigen sie vermutlich eine laminare Strömung um fressen zu können (6).

Fressfeinde im Aquarium

Es gibt neun bekannte Fischfamilien welche als Fressfeinde von Haarsternen bekannt sind. Hiezu gehöhren die Schnapper (Lutjanidae), die Spatenfische (Ephippidae), die Falterfische (Chaetodontidae), die Lippfische (Monacanthidae), die Kugelfische (Tetraodontidae), Dornrückenaale (Notacanthidae), Drückerfische (Balistidae) und Meerbrassen (Sparidae). Prinzipiell ist bei den zuvor genannten Fischen immer mit einem Verbiss zu rechnen. Am besten Dokumentiert sind Übergriffe des Leopard-Drückerfisches Balistoides conspicillum, wobei dieser sein Opfer nur verstümmelt. In Gewässern um Australien und Neuseeland hingegen verspeist der Meerbrasse Chrysophrys auratus ganze Haarsterne (14).

Auch der Übergriff von Zwergkaisern an Haarsternen im Aquarium wurde bereits berichtet (19). Aus diesem Grund ist die Haltung von „zupfenden“ Fischen in einem Aquarium mit Haarsternen grundsätzlich abzulehnen. Haarsterne quittieren dies unter Umständen mit dem Abwurf des betroffenen Fangarmes, welcher ihm dann zum weiteren Nahrungserwerb fehlt. Eine Regeneration der Arme im Aquarium ist zwar unter Umständen möglich, jedoch haben die Haarsterne im Aquarium keine Möglichkeit ihren Peinigern aus dem Weg zu gehen.

Erfolgreiche Haltung?

Ab wann kann man nun von einer erfolgreichen Haltung von Haarsternen im Aquarium sprechen? Sind es Wochen, Monate oder Jahre der Haltung oder ist es ein Sterben auf Raten über einen längeren Zeitraum? Dr. Ron Shimek berichtet davon, dass in Untersuchungen zum Alter von freilebenden Echinodermen (hier Seeigel) der gemäßigten Zonen ein Alter von 100 bis 200 Jahren festgestellt wurde. Eine solch hohe Lebenserwartung ist auch von Seesternen bekannt oder ein solches Alter ist hypothetisch möglich. Es gibt keinen Grund zur Annahme, das diese Lebenserwartung ungewöhnlich ist für grundsätzlich alle Echinodermen. Das meint auch, dass tropische Arten genau so lange leben wie die aus subtropischen Gegenden. Es wird erwartet, dass in ein paar Jahrzehnten ähnliche Daten hierfür verfügbar sind (6).

Ohne die Erfolge der Vergangenheit schmälern zu wollen - sie sind immerhin ein Anfang um zu verstehen - was sagt eine Haltung von Haarsternen im Aquarium von ein paar Jahren im Verhältnis zum in der freien Natur erreichbarem Alter schon aus?

Zusammenfassung

Einige Haarsterne sind – so wie es zumindest aussieht - bereits heute im Aquarium haltbar. Andere nicht. Einige werden in absehbarer Zeit (eventuell) haltbar sein. Andere wohl nie, da wir ihnen nicht auf Dauer die richtigen Lebensumstände bezüglich Futter / -zusammensetzung bieten können, denn:

Nur weil Nahrungspartikel durch den Haarstern gefangen werden, heißt es noch nicht dass er diese auch fressen wird. Selbst wenn er diese Partikel tatsächlich gefressen hat, heißt es noch lange nicht dass er diese auch verdaut. Aber auch verdaute Partikel heißen nicht, dass sie dem Haarstern auch das bieten, was er benötigt um längerfristigen Nutzen daraus ziehen zu können.

Die Notwendigkeit der Gabe von Aminosäuren für Haarsterne ist bis heute nur ungenügend untersucht. Auch die einzelnen zur Futteraufnahmen notwendigen Strömungsgeschwindigkeiten / Strömungsmodalitäten sind nicht ausreichend oder nur für sehr wenige Arten ermittelt worden. Denn aus o.g. Untersuchungen geht hervor, dass Haarsterne, selbst wenn sie im Aquarium im Futter „stehen“, aufgrund falscher Strömung verhungern können.

Kurz gesagt: Es gibt derzeit schlicht und ergreifend zu wenige Informationen über die einzelnen Arten welche Aufschluss über eine erfolgreiche Haltung geben könnten.

Wenn überhaupt Haltungsversuche unternommen werden, sollten die Haarsterne nur in speziellen Artenbecken gehalten werden, welche den benötigten Strömungsverhältnissen ihres Lebensraumes entsprechen. Am ehesten entspricht die Pflege von Haarsternen den von NPS (nicht photosyntetische oder auch azooxhantellate) Korallen, mit denen sie zusammen gehalten werden können. Aus Gründen der ausgesprochenen Neigung zur Selbstverstümmelung sollte auf eine Vergesellschaftung mit „zupfenden“ Fischen verzichtet werden.

Quellennachweis
  1. Length and Spacing of Tube Feet in Crinoids (Echiodermata) and Their Role
    in Suspension-Feeding;D.L. Meyer; Marine Biology 51, 361-369 (1979)
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Stachelhäuter
  3. Development and Culture of Feather Stars; Thomoko Shibata, Ph. D.
  4. Food composition of crinoids (Crinoidea: Echinodermata) in relation to
    stalk lenght and fan density: thier paleoecological implications; Kota Kitazawa – Tatsuo Oji -
    Michinari Sunamura; Marine Biology (2007) 152:959-968
  5. Foodcoposition and feeding behavior of shallow-water crinoids
    at Eilat (Red Sea);J. Rutman – L. Fishelson; Marine Biology 3, 46-57 (1969)
  6. Echinoderms in Aquaria; A Spineless Column with Ronald L. Shimek Ph. D
  7. Effects of current speed on filtration during suspension feeding in
    Oligometra serripinna (Echinodermata: Crinodea); A.B. Leonard – J. R. Strickler – N.
    D. Holland; Marine Biology 97, 111-125 (1988)
  8. Degestive mechanics and gluttonous feeding in the feather star Oligometra
    serripinna (Echinodermata: Crinoidea); N. D. Holland – A. B. Leonard – D. L. Meyer; Marine Biology 111,
    113-119 (1991)
  9. The Histology and Activities of the Tube-feet of Antedon bifida; David
    Nichols; Quarterly Journal of Microscopical Science s3-101, 105-117
  10. Hubert Fechter; Über die Funktion der Madreporenplatte der Echinoidea;
    Zeitschrift für vergleichende Physiologie, 20. Dez. 1965, Volume 51, Issue 3, pp 227-257
  11. MERGUS MEERWASSER ATLAS Band 3 – Wirbellose Tiere, 2. Auflage 1997; Harry
    Erhardt – Horst Moosleitner
  12. http://de.wikipedia.org/wiki/Seelilien_und_Haarsterne
  13. Food composition and feeding behavior of shallow-water crinoids at Eilat
    (Red Sea); J. Rutman – L. Fishelson; Marine Biology 3, 46-57 (1969)
  14. Charles Messing http://www.nova.edu/ocean/messing/crinoids
  15. Particle interception, transport and rejection by the feather star Oligometra
    serripinna (Echinodermata: Crinoidea), studied by frame analysis of
    videotapes; N. D. Holland - J. R. Strickler – A. B. Leonard; Marine Biology 93,
    111-126 (1986)
  16. The Histology and Activities of Tube-feet of Antedon bifida; David
    Nichols; Quarterly Journal of Microscopical Science, Vol. 101, part 2, pp.
    105-17, June 1960
  17. Amino Acid Uptake by the Comatulid Crinoid Cenometra bella (Echiodermata)
    Following Evisceration; D. F. Smith – D. L. Meyer – S. M. J. Horner; Marine Biology 61, 207-213
    (1981)
  18. Uptake of Amino Acids by Marine Invertebrates; Grover C. Stephens –
    Robert A. Schinske; Limnology and Oceanography; Vol. 6, No. 2, April 1961
  19. Frank Diehl und Robert Baur-Kruppas http://www.korallenriff.de/artikel/349_H…m_-_Teil_1.html


Hier darf diskutiert werden.

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