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Harald

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Montag, 18. August 2014, 16:09

Gefahr am Meeresboden

Wilhelmshaven, den 11.08.2014. Die Meeresbiologin Dr. Mona Hoppenrath von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven hat gemeinsam mit internationalen Kollegen das weltweit erste Bestimmungsbuch für marine, benthisch lebende Dinoflagellaten verfasst. Die winzigen Einzeller sind weltweit verbreitet und unter anderem Auslöser für die Krankheit Ciguatera, die am häufigsten auftretende Art der Fischvergiftung. Das Buch ist heute unter demTitel „Marine benthic dinoflagellates – unveiling their worldwide biodiversity" in der „Kleinen Senckenberg Reihe“ erschienen.


Der marine Dinoflagellat Gambierdiscus
toxicus produziert Gifte, die für den Menschen
gefährlich werden können. © Senckenberg


Dinoflagellaten leben in Salz- und Süßgewässern rund um den Globus und haben sehr vielfältige Eigenschaften: Die mikroskopisch kleinen Einzeller lassen Wellen leuchten, spielen eine zentrale Rolle im aquatischen Nahrungsnetz und produzieren Gifte, die für den Menschen gefährlich werden können.
„Während planktonische, also im Wasser schwebende, Dinoflagellaten gut erforscht sind, hat sich bisher kaum jemand mit den im und am Meeresboden lebenden Dinoflagellaten beschäftigt“, erklärt Dr. Mona Hoppenrath, Wissenschaftlerin bei Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven und Autorin des neu erschienenen Buches.

Dies ist insofern verwunderlich, weil die benthisch lebenden Dinoflagellaten eine konkrete Gefahr für den Menschen darstellen: Einige der Arten können die zum Teil tödlich verlaufende Fischvergiftung Ciguatera verursachen. „Ciguatera ist die häufigste Art von Fischvergiftung. Hervorgerufen wird sie durch die Giftstoffe Cigua- und Maitotoxin, die wiederum von auf Algen und Seegras lebenden Dinoflagellaten wie beispielsweise Gambierdiscus toxicus produziert werden“, erklärt Hoppenrath. Da die Gifte in der Nahrungskette angereichert werden, sind besonders Raubfische belastet.


Diamantförmiger Dinoflagellat Peridinium
quinquecorne – eine der wenigen Arten, die
planktonisch und benthisch auftreten.
© Senckenberg

In der neuen Zusammenfassung geht es aber nicht nur um diese etwa 30 potentiell gefährlichen Dinoflagellaten. Insgesamt 189 Arten in 45 Gattungen wurden von Hoppenrath und ihren Kollegen aufgelistet, beschrieben und illustriert. Hinzu kommen Informationen zu Lebensräumen, geographischer Verbreitung und Ökologie.
„Eigentlich könnten wir schon fast mit einer zweiten Auflage beginnen“, scherzt Hoppenrath, denn dauernd werden neue benthische Dinoflagellaten-Arten entdeckt. „Wir sind uns sicher, dass bisher erst ein Teil dieser Einzeller erfasst wurde“, ergänzt die Wilhelmshavener Meeresbiologin.

Die Autoren des Buches zählen zu den wenigen Experten der auch als Panzergeißler bezeichneten Organismen: Mehr als ein Drittel der bisher bekannten benthischen Arten wurde von ihnen beschrieben.
„Uns hat dabei vor allem die Arten-Vielfalt überrascht und dass die benthisch lebenden Dinoflagellaten kaum mit den planktonisch lebenden vergleichbar sind.“ Taxonomisch und systematisch sind diese beiden sehr nahestehenden Gruppen schwer in Einklang zu bringen – beschreibt man eine Art im Sand und sucht dann nahe Verwandte in den Meeresströmungen, wird man genauso wenig fündig, wie umgekehrt.

„Das ist eine ganz eigene Welt, dort am Meeresgrund und wir können hier nicht nach ‚gewohntem Schema‘ vorgehen“, erläutert Hoppenrath.

In Sammlungen können die winzigen Einzeller nur schwer aufbewahrt werden – bei der Präparation werden oftmals Zellen zerstört oder so stark deformiert, dass die wesentlichen Bestimmungsmerkmale fehlen. Umso wichtiger sind die Zeichnungen und Fotografien im neuen Senckenberg-Buch. Hoppenrath fasst zusammen: „Wir glauben, dass unser Werk einerseits für Studierende und Wissenschaftler interessant ist, aber auch als Bestimmungshilfe für ‚Praktiker‘ – wie beispielsweise das Bundesumweltamt – bei der Überwachung der für den Menschen gefährlichen Dinoflagellaten helfen wird.“


Cover des neuerschienen Buches:
Erstmalig wurden alle benthisch lebenden
marinen Dinoflagellaten erfasst. © Senckenberg

Kontakt
Dr. Mona Hoppenrath
Senckenberg am Meer
Tel. 04421- 9475-116
Mona.Hoppenrath@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
KleineSenckenberg-Reihe 54
Mona Hoppenrath, Shauna A. Murray, Nicolas Chomérat & Takeo Horiguchi:Marine benthic dinoflagellates – unveiling their worldwide biodiversity
2014, 276 pp, 93 figs, 8 tabs,
ISBN 978-3-510-61402-8, 19,90 €
Sprache: Englisch
http://www.schweizerbart.de/9783510614028
Beste Grüße
Harald

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Samstag, 23. August 2014, 09:54

:yahoo: Sehr schön dass solch interessanten Themen auch einmal zu erschwinglichen Preisen in Buchform veröffentlicht werden. Ganz klar Daumen hoch!
ps: mit pelagischen Dinos (unter anderem Protoperidinium...) habe ich ein paar Meter weiter im ICBM meine Masterarbeit bestritten.

LG
Christopher

Harald

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Samstag, 23. August 2014, 10:07

Hallo Christopher

Danke für dein Feedback. :) Ja und solche Informationen werden wir jetzt auch öfter veröffentlichen. Senkenberg kann sich sogar eine Zusammenarbeit mit uns in der IG vorstellen.

So können wir noch alle dazu lernen, und vielleicht so manches verstehen, was uns in der Meerwasseraquaristik heute noch Kopf zerbrechen bereitet.
Beste Grüße
Harald

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Samstag, 23. August 2014, 17:28

Ist Euch auch die "Neue Brehm-Bücherei" bekannt? Da gibt es auch sehr schöne Titel, zum Teil noch aus DDR-Zeiten in Neuauflage...

http://neuebrehm.de/

LG
Christopher

Harald

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Samstag, 23. August 2014, 21:01

Moin Chtstopher

Dietmar hatte es schon mal erwähnt, ist mir wohl aber wieder entfallen. Aber jetzt wo du es schreibst.........
Beste Grüße
Harald

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Sonntag, 14. September 2014, 14:03

Hallo Harald,
deutschsprachige, wissenschaftliche Literatur in dieser Qualität ist nicht selbstverständlich. Die gesamte Buchreihe ist sehr empfehlenswert, einige habe ich auch in unserer Bilbliothek. Oftmals findet man diese Ausgaben noch in öffentlichen Bibliotheken. Wobei 25,-€ Durchschnittspreis ist nicht gerade kleines Geld für so ein kleines Buch. Wenn man allerdings in einer Fachgruppe oder ähnlichen Gemeinschaft ist, dann relativieren sich solche Sachen und werden durchaus erschwinglich.
LG Dietmar
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