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Dietmar

FG-Meeresaquaristik Berlin-Brandenburg

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Mittwoch, 9. Oktober 2013, 18:11

Futter im Aquarium

Futter Teil 1


Zusammensetzung von Futtermitteln

Teil 1 Beschreibung der Futtermittel
Teil 2 Auflistung Inhaltsstoffe

In meinem Beitrag möchte ich auf die Bestandteile der Inhaltsstoffe eingehen und anschließende einige Empfehlungen zur Futtermittelauswahl aussprechen.

1.Trockenfutter

Hinsichtlich der Inhaltsstoffe unterscheiden sich Futtermittel, die wir als Ersatz des natürlichen Futters anbieten. Welchen Bedarf einzelne Tiere haben ist leider nur bei wenigen Nutzfischen bekannt. Uns muss klar sein, dass diese Futtermittel erheblich abweichend in der Zusammensetzung und Darreichungsform gegenüber natürlichem Futter sind und nur einen mehr oder weniger unbefriedigenden Ersatz darstellt. Zudem muss man bei der Haltung von Tieren in einem Aquarium gewisse Auswahlkriterien treffen, die im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel der Tiere und der Wasserbelastung und Aufbereitung stehen. Hier kann man durchaus die Qualität der Tierhaltung beeinflussen.
Dass Futtermittel dennoch nur unbefriedigender Ersatz sind, kann man daran sehen, dass die Erfolge der Nachzucht von Wirbeltieren eher bescheiden sind im Gegensatz zur Süsswasseraquaristik wo man fast jeden beliebigen Fisch nachziehen kann. Die Ursache liegt in der Veränderung der Futtermittel im Produktionsprozess, bei dem wichtige Bestandteile verändert oder zerstört werden. Zum Beispiel Wachstumshormone oder Vitamine, Lipide und weitere Bestandteile sind kaum zu stabilisieren oder entsprechend den Bedürfnissen der Tiere zu dosieren oder in der richtigen Zusammensetzung anzubieten.
Trockenfuttermittel verändern ihre Eigenschaften, je nach Behandlung bei der Produktion, Lagerung und Aufbewahrung und Anwendung. Der letzte Punkt ist für den Anwender der einzige Punkt, den er beeinflussen kann. Futtermittel sollten wie Lebensmittel behandelt werden. Aufbewahrung dunkel im Kühlschrank und alsbaldiger Verbrauch. Also kleine Portionen kaufen und eine möglichst hygienische Umgangsweise mit diesem Futter ersparen eine Menge Ärger mit den Pfleglingen, denn unsachgemäß behandeltes Futter kann Fische schnell krank machen.

2. Frostfutter

Es ist im Handel eine große Palette an gefrosteten Futtertieren erhältlich. Sie sind zum Teil natürliches Futter oder stammen aus Zuchtbehältern oder sind saline Tiere aus Binnengewässern. Hinsichtlich der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe sollten sie in Proportion und Dosierung ein bekömmlicheres Futter sein als das Trockenfutter. Im Prinzip stimmt das auch. Leider gibt es einige Dinge, die bei Frostfutter diese Verhältnisse in ungünstiger Weise beeinflussen. Das hängt in erster Linie mit der Behandlung der Futtertiere zusammen und ob es gelingt, Stoffwechselprozesse die nach dem Tod der Tiere in deren Zellen
weiterläuft anzuhalten. Das kann man nur wenn die Temperatur extrem niedrig ist. Die Temperatur in den Haushaltkühlschränken reicht bei weitem nicht aus. Wird zu warm gefrostet, bilden sich in den Zellen große Eiskristalle; Zellwände werden zerstört und beim Auftauen liegen die Inhaltsstoffe als Suspension vor. Wer solches Frostfutter ausspült, verwirft die Inhaltsstoffe und füttert nur leere Hüllen...
Um auf den Stoffwechsel der toten Tiere zurückzukommen, ist dieser wie gesagt nur bei sehr tiefen
Temperaturen anzuhalten. Im Kühlschrank selbst kommt er wieder in Gang; läuft allerdings verlangsamt ab. Dennoch werden diese Futtermittel relativ schnell einer Veränderung unterliegen und darum alsbald zu verbrauchen. Auch hier gilt: eine kleinere Verpackung ist hinsichtlich ihrer Güteeigenschaften besser geeignet als Großpackungen oder große Mengen. Bedenkt man dass man mehrere Frostfuttersorten lagert, kommt schon einiges zusammen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist bei Frostfutter immer zu bedenken. Frostfutter ist immer Träger von
Keimen, die unsere Fische aufnehmen und wenn wir Pech haben einen tödlichen Krankheitsverlauf nach sich ziehen können. In Futterzuchtanlagen liegen die Keimzahlen ähnlich wie bei Massentierhaltung sehr hoch und sind oftmals Grund für das Sterben von Fischen. Die Züchter wissen das und behandeln ihre Futtertiere, das Medium was bei den Futtertieren mit gefrostet wird ist daher hoch belastet. Kontrollen wie bei Lebensmitteln für menschlichen Verzehr gibt es für Futtermittel in der Regel nicht. Futter mit unbestimmter Herkunft kann daher mit abenteuerlichen Beigaben überraschen!

3. Lebendfutter

Lebendfutter ist das beste Futter, was man bieten kann. Das sehe nicht nur ich so sondern auch die Fische. Im Lebendfutter sind viele Dinge vorhanden die in den vorher genannten Futtermitteln verändert sind oder fehlen. Zudem hat Lebendfutter Eigenschaften, die bei einigen Fischen das Überleben im Aquarium sichern, Jagd- und Fresstrieb auslösen und letztendlich eine Art erhaltende Lebensweise und Nachzucht ermöglicht. Vorverdaute Nahrung wird mit Enzymen versehen, für Fische in verdauliche Form umgewandelt, Hormone, Vitamine, Lipide, Eiweißkombinationen, Kohlehydrate, Spurenelemente usw. werden in verträglicher Form und Proportion bereitgestellt. Hinzukommt, dass Fische in ausgewogener Form ernährt werden: Fleischfresser erhalten eine Anteil an Pflanzen, Pflanzenfresser bekommen tierische Eiweiße die sie sich zuführen müssen. Und es entfallen Stofffreisetzungen, die eine Wasserqualität ungünstig beeinflussen. Bestandteile von
Landpflanzen wie Zellulose sowie Keratine, Collagene, Chitin usw. sind nicht vorhanden und beeinflussen daher die Verdauung der Fische nicht negativ. Die Erfolge bei der Nachzucht von Süsswasserfischen war denjenigen vorbehalten, die regelmäßig Lebendfutter anbieten konnten. Das gleiche trifft auch für die Seewassertiere zu, wobei die Beschaffung von Lebendfutter einem erheblichen Aufwand unterliegt. Lebendfutter züchten ist nicht nur teuer sondern auch
sehr arbeitsintensiv. Und auch die Auswahl an Futtertierarten ist oftmals nicht groß genug für eine ausgewogene Ernährung. Die im Aquarium sich vermehrenden Futtertiere sind von der Menge her nicht ausreichend.

4. Nahrungsbestandteile

Die Nahrung der Tiere setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen.
  • Protein
  • Lipid
  • Kohlenhydrat
  • Ballaststoff
  • Vitamine, sie nehmen bei der Fütterung eine Sonderstellung ein
  • Hormone
  • Enzyme
  • Makroelemente
  • Spurenelemente
Der Stoffwechsel der Fische läuft hauptsächlich über die Zufuhr von Protein. Das ist für die Energiegewinnung die Hauptkomponente. Die Zusammensetzung der dafür benötigten Proteinarten (und Aminosäuren, die Basis der Proteine) ist in der Regel nicht bekannt, Ausnahme bei wenigen Nutzfischarten für die menschliche Ernährung. Proteinstoffwechsel ist in der Aquaristik leider hinsichtlich der Wasserqualität ungünstig. Es entstehen beim Stoffwechsel die Produkte, die wir mühsam und mit technischem Aufwand entfernen müssen: Ammoniak, welches über die Kiemen und Nieren ausgeschieden wird, hin zu Nitrit und Nitrat.
Glücklicherweise kann man einen Teil des benötigten Proteins kompensieren, in dem man Nahrungsmittel mit größeren Mengen an Lipiden einsetzt. Lipide sind für Fische in besonderer Form anzubieten, damit sie für die Ernährung genutzt werden können: Es müssen Verbindungen sein, die in ungesättigter Form vorliegen, die sogenannten Omega -3- Fettsäuren und Omega –5– Fettsäuren; kurz die mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Um diese Nahrungsfette, oder besser gesagt Lipide haltbar zu machen, werden sie bei der Produktion an Vitamine als Konservierungsmittel gebunden. Das ist in der Regel Ascorbin. Leider finden wir gerade bei Trockenfuttermitteln Beimischungen von Lipiden der Landtiere. Diese können von den Fischen nicht verdaut werden, da die dazu benötigten Magensäuren nicht produziert werden können. Der dazu benötigte pH Wert müsste dafür deutlich unter pH 4 liegen. Das schaffen Fische nicht! (Übrigens ist das Verdauungssystem der Fische durchaus einen weiteren Artikel wert)
Eine weitere Komponente des Futters sind die Kohlehydrate. Kohlehydrate werden besonders in Algen als Speicherstoffe gebildet- über den Umweg Futtertier stehen sie den Fischen zur Verfügung. Fische sind in der Lage Fette in Kohlenhydrate und Kohlehydrate in Fette umzuwandeln. Bei Ersatzfuttermitteln ist die Kohlehydrat Mengenangabe ein sehr wichtiger Bestandteil. Ein Zuviel an Kohlehydraten erzeugt eine Art Diabetes, die das Wohlbefinden der Tiere erheblich beeinflusst. Im Teil 2 werde ich auf die Zusammensetzung der Trockenfuttermittel eingehen um Euch eine Hilfestellung bei der Auswahl des Futters anzubieten.

4. Vitamine

Die Vitamine nehmen in der Ernährung eine Sonderstellung ein. Sie sind unverzichtbar um Nährstoffe aufzuschließen. Vitaminmangel macht Fische krank, sie haben Einfluss auf die Hormonbildung und Anregung der Gonadenbildung und weitere Prozesse. Sie müssen daher immer verfügbar sein.
Betrachten wir die Trockenfuttermittel, dann wird eine Reihe an Vitaminen gelistet. Wichtig sind allerdings die Vitamine, die sich Fische zuführen müssen. Als wichtigstes Vitamin ist das Vitamin A, was als Darreichungsform als ß-Karotin dem Futter beigegeben wird. Erst mit eine Anteil UV Licht kann das Provitamin in das Vitamin A gespaltet werden. B- Vitamine finden wir vor allem in der Algennahrung, C Vitamine als Konservierungsmittel (es ist überdosiert und nicht essentiell), Vitamin D ist ein Provitamin und entsteht durch den UV Anteil der Beleuchtung, Vitamin K wird durch Bakterien im Verdauungskanal der Tiere bereitgestellt, Vitamin E ist zuzuführen- es ist das Vitamin, welches für die Produktion der Gonaden benötigt wird und Einfluss auf die Hormonproduktion hat.
Besonders hoch ist der Bedarf an Vitaminen bei Jungfischen, da diese Tiere einen unvollständig entwickelten Verdauungsapparat besitzen. Vitamine werden im Naturfutter durch Algen bereitgestellt, durch die Aufnahme der Futtertiere kommen sie den Fischen zugute. Im Aquarium muss eine Kombination an Vitaminen verabreicht werden und zwar regelmäßig. Ganz besonders trifft diese Aussage auf die überwiegende Ernährung mit Frostfutter zu. Es genügt, wenn Vitamine der Wassersäule zugefügt werden (B und C Vitamine). Die Molekülstruktur ist so klein, dass die Fische sie über die Kiemen aufnehmen können; die an (Nahrungs) Fette gebundenen Vitamine (A,D,E,K) werden mit den Futtertieren aufgenommen.

5. Empfehlung für Futtermittel

Diese Empfehlung trifft auf adulte Fische zu. Jungfische sowie einige Arten an Fischen (Magenlose Fische) sind von dieser Regel ausgenommen! Sie müssen sehr viel mehr an Proteinen verabreicht bekommen. Bei der Auswahl orientiere ich mich daher an einige Grundsätze hinsichtlich der Zusammensetzung der Bestandteile:

  • maximal 40-50% Protein
  • minimal 16-20% Lipide
  • maximal 8-20% Kohlehydrate
  • 20% Ballaststoffe
  • Vitamine, besonders ß-Karotin und Vitamin E
  • Pflanzliche Bestandteile ausschließlich Algen
  • Keine Bestandteile an Fetten von Landtieren (z.B. Milcheiweiß)
Bei Jungfischen sollte der Proteinanteil allerdings mindestens 60% betragen.

Futter Teil 2


Futter Teil 2
Zusammensetzung Inhaltsstoffe

Lebend- und Frostfutter ausgewählte Gattungen

Copepoden, für viele Fische das ideale Futter:
  • 87% Wasser
  • 10% Eiweiß
  • 3% Lipid
Mysis, besonders für magenlose Tiere geeignet:
  • 85% Wasser
  • 14% Eiweiß
  • 1% Lipid
Cladoceren, zum Beispiel Moina; als Alleinfutter nicht geeignet da zu wenig Fett und Eiweiß:
  • 92% Wasser
  • 2,5-7% Eiweiß
  • 1-3% Lipid

Gammariden
  • 86% Wasser
  • 13% Eiweiß
  • 1% Lipid

Asseln (zum Beispiel Idotea)
  • 78% Wasser
  • 10% Eiweiß
  • 1% Lipid
Enchyträen, Regenwürmer u.ä. Futtertiere. Sie beinhalten zu viel Fette und Kollagen! Gelegentliche Gabe schadet nicht, besonders in der Zeit, in der man Fische nachsetzt oder Fische ernährt, die Geschlechtsprodukte abgaben.
  • 75% Wasser
  • 15% Eiweiß
  • 6-10% Lipid

Interessant kann auch Insektenfutter für die Ernährung sein. Der Vollständigkeit halber gebe ich hier eine Auswahl der am häufigsten verwendeten Futtertiere.

Schwarze Mückenlarven
  • 82% Wasser
  • 10% Eiweiß
  • 4% Lipid

Rote Mückenlarven
  • 85-89% Wasser
  • 6-7,5% Eiweiß
  • 1-2% Lipid

Fluginsekten (zum Beispiel in einer Wiese gekeschert), hier gibt es natürlich nur einen Durchschnittswert.
  • 82% Wasser
  • 12% Eiweiß
  • 3% Lipid

Eintagsfliegenlarven
  • 80-85% Wasser
  • 8-12% Eiweiß
  • 2-3% Lipid
Trockenfuttermittel, hier habe ich einige Anbieter bzw. Firmenprodukte gelistet und hinsichtlich ihrer Deklaration die Daten erfasst. Sie sollen als Vergleich dienen um Futter bewusst auszuwählen. Es ist keine Hilfe um ein Futter als gut oder schlecht zu bewerten. Jedes hat seine Berechtigung, es hängt immer davon ab, was man den Tieren anbieten muss. Bitte die Hinweise im Teil 1 beachten.
Die Angaben beziehen sich in % in der Trockenmasse. Die Omega Produkte werden auch unter dem Namen der Firma Söll vertrieben; dazu gibt es im Internet genügend Informationen.

Omega One Marine Flakes Garlic
  • 59% Proteine
  • 15% Lipide
  • 3% Faserbestandteile
  • 11% Asche
  • 12% Ballaststoffe

Ocean Nutrition Reef
  • 63% Proteine
  • 13% Lipide
  • 3% Faserbestandteile
  • 11% Asche
  • 10% Ballaststoffe

Omega One Super Veggie Kelp Flakes, ein Produkt mit sehr großem Anteil an Algen, vorrangig Kelp
  • 52% Proteine
  • 16% Lipide
  • 3% Faserbestandteile
  • 16% Asche
  • 13% Ballaststoffe

Omega One Super Color Flakes
  • 16% Proteine
  • 60% Lipide
  • 12% Faserbestandteile
  • 0% Asche
  • 12% Ballaststoffe
Spektrum Thera + A
  • 52% Proteine
  • 14% Lipide
  • 7% Faserbestandteile
  • 13% Asche
  • 14% Ballaststoffe

JBL Marine Flakes
  • 61% Proteine
  • 7% Lipide
  • 3% Faserbestandteile
  • 15% Asche
  • 14% Ballaststoffe

Ocean Nutrition Formula One
  • 66% Proteine
  • 14% Lipide
  • 1% Faserbestandteile
  • 8% Asche
  • 11% Ballaststoffe

Dr. Bassleers Biofishfood
  • 67% Proteine
  • 17% Lipide
  • 2% Faserbestandteile
  • 4% Asche
  • 10% Ballaststoffe
Hier folgen nun einige Futtermittel der Firma Genzel. Diese Firma mixt Futter nach Euren speziellen Bedürfnissen; interessant ist das falls man sich mit der Zucht von Fischen befasst.

Sealive Proactive Genzel
  • 74% Proteine
  • 13% Lipide
  • 1% Faserbestandteile
  • 12% Asche
Nicht angegeben sind die Mengen der Ballaststoffe.

Artifical Plancton Genzel
  • 69% Proteine
  • 17% Lipide
  • 4% Faserbestandteile
  • 10% Asche
Nicht angegeben sind die Mengen der Ballaststoffe.

Aquafood Spezial Genzel
  • 69% Proteine
  • 18% Lipide
  • 0% Faserbestandteile
  • 13% Asche
  • Nicht angegeben sind die Mengen der Ballaststoffe.

Maximal Genzel
  • 66% Proteine
  • 19% Lipide
  • 2% Faserbestandteile
  • 13% Asche
Ein weiterer Hinweis betrifft die JBL Mega Pearls. Sie haben einen reduzierten Anteil an Phosphaten, da bei der Produktion des Futtermittels Schuppen und Knochen der Fische entfernt und nur Filetstücke verwendet wurden. Bekanntermaßen reichert sich Phosphat in Knochen und Schuppen an, durch den Verzicht auf diese Bestandteile beträgt der P-Anteil im Vergleich zu Futtermitteln, die nicht nach diesem Verfahren produziert werden nur 10%. Ein wichtiger Beitrag hinsichtlich darauf, die Wasserqualität beeinflussen zu können.
Leider ist die Deklaration der Futtermittel nur unzureichend. Die Angaben des Verfalldatum fehlen bei vielen. Hinweise auf Bestandteile wie Milchprodukte, Stärke und Rinderherz und was noch so eingesetzt wird sind ein Beleg, dass mit Produkten gearbeitet wird, die ohne Vorbehandlung für Fische nicht verdaulich sind, sie sind unnütze Zuschlagstoffe. Gute Rohstoffe sind nun mal nicht ersetzbar...

Ich hoffe einige Tipps sind Euch bei einer Kaufentscheidung nützlich.

Futter Teil 3


In meinen bisherigen Ausführungen bin ich auf die Aspekte der Fütterung eingegangen, die sich mit physiologischen Grundlagen der Ernährung unserer Lieblinge befassen. Einige Dinge zur Fütterung möchte ich noch anfügen, welche der Pfleger recht einfach regulieren kann.
Ø Sauerstoffsättigung des Wassers
Ø Temperatur
Ø Ruhezeit zur Verdauung
Ø Larven und Jungfische bei 2-3° C höherer Temperatur hältern
Der Stoffwechsel ist sehr Energie aufwändig. Ursache für den hohen Energiebedarf ist das Verhältnis zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid im Wasser. Es beträgt etwa 25:1; Landtiere dagegen finden ein Verhältnis von 700:1 vor. Somit ist ganz klar dass wenn Fische sich bewegen, wachsen, sich vermehren und mit anderen Tieren interagieren sollen, nur wenige Energiereserven verfügbar sind. Wird zusätzlich Energie für die Sauerstoffzufuhr benötigt, geht es den Tieren schlecht, abgesehen von der Wasserbelastung durch schlecht verdautes und ausgeschiedenes Futter. Somit ist immer ein hohes Redoxpotenzial im Aquarium anzustreben und man sollte sich genau überlegen, ob der Abschäumer Nachts abgestellt wird. Bei starkem Besatz sind Sauerstoffreserven durch zusätzliches Anheben des Redoxpotenzials mittels Ozon oder verbesserte Abschäumung zu erwägen.

Die Temperatur des Wassers hat auf die Verdauung der Tiere einen Einfluss, den man nicht unterschätzen sollte. Der Stoffwechsel bei wechselwarmen Tieren ändert sich bei einer Temperaturdifferenz von Δ 10°C um den Faktor 2. Eine Temperaturabsenkung von wenigen °C wirkt sich günstiger auf Verdauungsprozesse aus, weil die Verweilzeit der Nahrung im Verdauungskanal wesentlich verlängert wird. Das bedeutet wiederum, dass durch die langsamere Darmpassage der Zeitfaktor zum Aufschluss verlängert wird. Es bilden sich weniger freie Radikale, die verdaute Futtermenge steigt an. Der Sauerstoffbedarf für den Stoffwechsel sinkt und es wird weniger Ammoniak und Kot ausgeschieden.

Die Ruhezeiten zur Verdauung der Nahrung verdienen ebenfalls Beachtung. Füttert man die Fische ununterbrochen (Fische stehen im Futter), dann wird bei Erreichen der Sättigungsschwelle das Futter nur noch teilweise aufgeschlossen. Es wird vermehrt Kot mit hohem Anteil organischer Stoffe ausgeschieden, welcher besonders Bakterien eine Nahrungsgrundlage bietet, das Wasser belastet und unerwünschte Zunahme der Biofilme sind die Folgen. Und zur Ruhezeit der Verdauung gehört auch, dass gefütterte Fische die Nahrung ohne Stressfaktoren verdauen können. Aktivitäten im und auch vor dem Aquarium müssen eine Zeit nach der Fütterung unterbleiben. Für die Tiere endet die Umwelt nicht an den Aquariumscheiben sondern der Wohnraum des Pflegers ist als Revier der Fische zu betrachten. Selbst das Umräumen von Stühlen oder eine andere Tischdecke ist ein Eingriff ins „Revier“... Ihr kennt sicher solche Verhaltensweisen der Tiere, wenn mal Besuch kommt und man möchte das Aquarium präsentieren. Dann ist eine Weile kein Fisch zu sehen- weil es Stress bedeutet. Fische die man transportieren möchte, werden auch nicht gefüttert, weil sie durch den Stress mit Verdauungsproblemen reagieren. Sind Stress Situationen lang anhaltend, kann das zu Verdauungsproblemen und zur Erkrankung der Tiere führen. Man denke an die „Stresspickel“ der Doktorfische.

Ausnahmen betreffs Haltungstemperaturen und Stoffwechsel muss man bei Jungfischen machen. Abgesehen davon, dass ihr Verdauungsapparat nicht vollständig ausgebildet ist, Wachstum mehr Energie erfordert und weitere Faktoren die Ernährung beeinflussen, sollten Jungtiere etwas wärmer gehalten werden um ihren Bedürfnissen entgegenzukommen. Als Faustregel gelten etwa 2-3°C gegenüber adulten Tieren. Jungfische trifft man in der Natur in meist flachen Gewässerabschnitten an, die nicht nur die Bejagung durch Fressfeinde einschränkt sondern höhere Temperaturen und auch geringere Salzkonzentrationen beinhalten. Jungfische sind daher ganz besonders in brackigen Gewässerabschnitten wie in Mangroven und Ästuaren zu finden.

Die Salzkonzentrationen haben selbstverständlich einen großen Einfluss auf den Stoffwechsel und insbesondre auf die Energiebilanz. Hohe Salzkonzentrationen erfordern viel mehr Energie um Salze auszuscheiden und eine Verringerung der Salzdichte im Aquarium von 1.024 auf 1.022 verringert die Belastung durch geringeren Energiebedarf für den Stoffwechsel.

Letztendlich ist der Bewegungsdrang der Fische ein Mittel um die Verdauung zu fördern und einen langen Fressreiz auszulösen. Das bedeutet, dass das Futter, um den Jagdtrieb der Fische anzustacheln, bewegt werden muss. Das gilt ganz besonders für das Totfutter, was von einigen Fischen nur zögerlich, widerwillig oder auch nicht akzeptiert wird. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit einem closed loopmachen können, da die Wasserbewegung großflächig und mit vielen Wirbeln das Futter in Schwebe hält und Bewegungsmuster fördert, was für einen langen Fressreiz wichtig ist.
Ungenügend bewegtes Futter ist nicht interessant und wird oftmals ignoriert. Sehr anfällig sind kleine Riffbarsche, sie stellen ihren Bewegungsdrang ein um Energie zu sparen. Wenn es dazu kommt, dauert es meist nicht lange und das „unerklärliche Sterben“ der Tiere beginnt. Solch schwierige Fresser kann man überreden wenn man Fische hat, die solches Futter gierig verschlingen. Fische können solche Verhaltensmuster erlernen und durch Futterneid animiert werden; das „mach mit“ oder allomimetisches Verhalten ist die Bezeichnung dafür. Leider klappt das nicht bei allen Tieren.
Bündelt man alle genannten Maßnahmen, kann man einiges dazu beitragen, der Lebensweise der Tiere entgegenzukommen und die Haltungsbedingungen optimieren.

Mit freundlichen Grüßen
Euer Dietmar

Quellen:
  • Lebendfutter Prof. Dr. Heinz Brehmer, Aquarienfische gesund ernähren
  • Mündliche Mitteilungen Klaus Bischoff
  • Trockenfutter Herstellerangaben auf Etiketten
  • Informationsmaterial Hersteller auf Homepage
Signatur von »Dietmar« FG Meeresaquaristik Berlin-Brandenburg

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