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Harald

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Freitag, 20. Juni 2014, 22:08

Meerwasseraquaristik ein harmloser Freizeitspaß?

Einleitung

Toxikologie und die Gifte im Merwasseraquarium

Der Begriff Toxikologie geht auf die griechischen Wörter für Gift (toxikon) und für Lehre (logos) zurück - es handelt sich also um die Lehre von den Giften. Einige unserer marinen Gifte möchte ich in diesem Artikel vorstellen. Dieses ist keine wissenschaftliche Abhandlung, soll aber darauf hinweisen mit welchen Giften wir es auch im Meerwasseraquarium zu tun haben könnten.

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Freitag, 20. Juni 2014, 22:08

Dinoflagellaten

Dinoflagellaten kommen im Salz- und im Süßwasser vor. Im Meer sind sie nach den Diatomeen die zweitwichtigste Gruppe des Phytoplanktons. In warmen Gewässern ist die Artenvielfalt bei geringer Individuenzahl hoch, in kalten überwiegen wenige Arten mit hoher Individuenzahl. In regelmäßigen Intervallen kommt es zu Massenentwicklungen bestimmter Arten. Gefürchtet ist die sogenannte rote Tide (red tide), bei der sich das Wasser wegen der großen Menge gebildeten Carotinoids rot bzw. orange färbt. Diese Erscheinung wurde an vielen Küsten, z.B. an der Küste Floridas, im Golf von Mexiko, gelegentlich auch in der Nordsee beobachtet. Während dieser Phase (Dauer jeweils ca. 14 Tage) scheiden die Dinoflagellaten toxische Substanzen ab, die je nach Verursacher auf viele oder bestimmte Gruppen anderer Organismen tödlich wirken. Die Art Gymnodinium breve scheidet ein Toxin ab, das auf Fische toxisch wirkt, auf Invertebraten jedoch nicht. Verschiedene Gonyaulax-Arten produzieren ein Toxin, das vorwiegend Invertebraten abtötet.
Die Art Gonyaulax catenella produziert die bislang am besten untersuchte Substanz: Saxitoxin. Es ist ein Alkaloid, das dem Strychnin und den Aconitum-Alkaloiden ähnelt und als Neurotoxin wirkt. Zwar ist es in der von Gonyaulax catenella abgegebenen Konzentration für größere Meeresbewohner nicht gefährlich, aber es wird in der Nahrungskette (Zooplankton Muscheln/Würmer Fische) angereichert und überschreitet damit die kritische Grenze der Toxizität.

Wird fortgesetzt mit den Themen: Tetrodotoxin, Saxitoxin, Ciguatoxin, Brevetoxin, Palytoxin, Okadainsäure

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Samstag, 21. Juni 2014, 19:09

Saxitoxin

Als Saxitoxine (STX) bezeichnet man neurotoxische Gifte (Nervengifte) die in Miesmuschel, Pfahlmuscheln, Austern oder Schellfisch angereichert werden können und beim Verzehr der Muscheln oder Fische durch den Menschen die Muschelvergiftung (Mytilismus) verursachen. Quelle der Toxine sind Algen, sogenannte Dinoflagellaten die im Plankton vorkommen und wiederum von Muscheln als Nahrung aufgenommen werden. Diese Muscheln können in ihrem Inneren das Saxitoxin stark konzentrieren. Zu den Saxitoxinproduzierenden Dinoflagellaten zählen:

Alexandrium catenella (Gonyaulax catenella)
Alexandrium tamarense excavatum (Gonyaulax tamarensis)
Pyrodinium bahamense

Diese vermehren sich insbesondere in den warmen Jahreszeiten und können rasch rötlich gefärbte Algenteppiche ausbilden ("red tide"). Saxitoxin kann sich auch im Gewebe von Muscheln anreichern und zur Muschelvergiftung paralytic shellfish poisoning PSP führen.

Saxitoxin kann sowohl durch Inhalation (Einatmen) als auch über die Nahrungsaufnahme in den Körper gelangen. Im Falle von eingeatmetem Saxitoxin kann es innerhalb kürzester Zeit (Minuten) zu einer tödlichen Atemlähmung kommen. Nicht tödliche Dosen führen beim Menschen nach einigen Stunden zu folgenden Symptomen: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe und Bauchschmerzen. Die Betroffenen können Doppelbilder sehen, und es zeigt sich eine Lähmung der Atemmuskulatur.

Quellen: Basierent auf dem Artikel Saxitoxin aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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Montag, 23. Juni 2014, 20:01

Palytoxin

Palytoxin ist ein extrem toxisches Polyketid mariner Cyanobakterien der Gattung Trichodesmium (Oscillatoria, "Schwingalge"). Nachgewiesen wurden Palytoxin und seine Derivate u.a. in Krustenanemonen Palythoa, Protopalythoa, Krabben, Fischen, Rotalgen und Dinoflagellaten. Das Gift gelangt wahrscheinlich über die Nahrungskette oder direkte Symbiose mit dem giftproduzierenden Cyanobakterium in die höheren Lebensformen. Die Krustenanemonen nutzen es zur Verteidigung als Fraßgift.

Aus Krustenanemonen wurde Palytoxin ursprünglich isoliert. Nachgeforscht hat man wegen bestimmter Fischvergiftungen. Etwa beim Drückerfisch Melichtys sp. wurde Palytoxin nachgewisen, man spekulierte, ob er die Krustenanemnonen gefressen hat ... Später wurde das Gift auch in einem Feilenfisch nachgewiesen (Alutera), der sich von Krustenanemonen ernährt.

Die Vergiftung mit Palytoxin, gleicht der Intoxikation mit Ciguatoxin, verläuft aber schwerer (schwere Muskelspasmen, Rhabdomyolyse, Hypertension, akute Ateminsuffizienz) und kann tödlich enden. Ein Gegengift gibt es nicht.

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Eine Anmerkung von Dirk Radtke zur Protopalythoa

Jeder Meerwasseraquarianer wird wohl früher oder später über die Gattung ‘Protopalythoa‘ stolpern.

Gerade die Arten sp.03-05 werden sehr häufig über Lebendgestein eingeschleppt, andere aus Unwissenheit gekauft, weil die Attraktivität dieser Tiere leider nicht von der Hand zu weisen ist.

Durch Hinweise von außerhalb oder eigenen Recherchen wird jedem schnell klar gemacht: Das Gift dieser Korallen, das sogenannte Palytoxin, kann im schlimmsten Fall zum Tod führen!

Aber ist die erkannte Situation wirklich so ernsthaft, dass schnelles Handeln erforderlich wird?

Und, wenn ja, wie entfernt man die „gefährlichen“ Korallen von betroffenen Steinen?

An dieser Stelle möchte ich darauf verweisen, dass die folgenden Berichte aus eigenen oder zugetragenen Erfahrungen stammen, und keineswegs ein Leitfaden darstellen sollen, was die Toxizität und den Umgang mit den Tieren betrifft!

Um es vorweg zu nehmen: Von einem Todesfall nach dem Umgang oder bei der Pflege dieser Korallen, ist mir bislang noch nichts zu Ohren gekommen!

Dies mag daran liegen, dass Korallen im Aquarium an Toxizität verlieren, was aber nur eine von mir aufgeschnappte Behauptung ist…

Allerdings gibt es diverse Berichte von Vergiftungserscheinungen!

Sehr häufig werden Erkältungssymptome geschildert, welche sich in Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, etc. äußern. Meist sind die Beschwerden wenige Stunden nach dem Umgang mit Protopalythoae aufgetreten, hielten die Nacht über an, und verschwanden nach relativ kurzer Zeit wieder. In extremeren aber selteneren Fällen, kam es zu Zusammenbrüchen, Muskelkrämpfen, vegetativen dystonischen Symptomen, welche Stationär behandelt werden mussten.

Nun wäre es abzuklären, in welcher Art mit den Tieren im Vorfeld hantiert wurde, um symptomatisch auf das Gift zu reagieren, denn dies halte ich für sehr wichtig!

Dazu kommt die Tatsache, dass nicht jeder Mensch auf Palytoxin im Wasser zu reagieren scheint. Der Tenor, den ich aus den Berichten ziehe, geht in die Richtung, dass es sich bei auftretenden Symptomen eher um eine allergische Reaktion gleich einem Wespenstich handelt.

Wissenschaftlich bewiesen ist dies allerdings nicht…

Wie gehe ich nun mit diesen Tieren um, wenn ich sie gerne in meinem Aquarium pflegen möchte?

Wenn ich eine banale Antwort darauf geben würde: Ärgere sie nicht, dann werden sie Dich nicht ärgern!

Womit ich extreme Gewalteinwirkungen meine, welche die Korallen dazu anregen könnte, sich mit ihrem Gift zur Wehr zu setzen, denn dafür sind sie schließlich mit diesem Abwehrmechanismus ausgerüstet!

Normale Berührungen, ein Umsetzen unter oder über Wasser sollte ohne Komplikationen möglich sein. Auch eine mechanische Teilung unter Wasser dürfte keine körperliche Reaktion auslösen – immer vorausgesetzt, der Pfleger reagiert nicht allergisch auf mögliche ins Wasser abgegebene Gifte!

Dennoch will ich hier nicht zu einem Selbstexperiment raten!

Palytoxin kann über eine Schmier- oder Tröpfcheninfektion in den menschlichen Kreislauf geraten, also über Wunden und Schleimhäute, woraus resultiert, dass beim Hantieren mit den Tieren auf gewisse Sicherheitsmaßnahmen geachtet wird! Dazu gehören Latexhandschuhe (ungepudert), Mundschutz und Schutzbrille, wobei die letzteren beiden besonders bei dem Hantieren über Wasser wichtig sind. Eine Unachtsamkeit im Umgang mit den Tieren kann zu einer Quetschung führen, was die Koralle damit quittieren kann ihr Gift zu verspritzen! Dies kann auch bei Nichtallergikern zu heftigen Reaktionen führen…

Wie entferne ich die Tiere aus meinem Becken?

Auf diese Frage kenne ich leider keine zuverlässige Antwort…

Versuche meinerseits, einzelne, im Riff wachsende Polypen mit Glasrosenmitteln zu füttern oder mit Calziumhydroxidbrei einzumauern schlugen fehl. Protopalythoae sind sehr hartnäckig und widerstandsfähig! Das Wegspritzen mit Säure habe ich noch nicht versucht, kenne aber wiederum Erfahrungsberichte, dass dies das Beckenmilieu sehr negativ beeinflusst haben soll. Hier ist die Beckengrösse in Verbindung zu der Anzahl der zu vernichtenden Tiere zu berücksichtigen! Palytoxin kann nicht nur für den Menschen schädlich sein, sondern auch das Beckenklima negativ beeinflussen.

Weitere negative Entfernungsversuche gab es über Wasser!

Dazu wurden massiv befallene Steine herausgenommen und mit einer Drahtbürste bearbeitet. An anderer Stelle gab es einen Entfernungsversuch via Kärcher…

Beide Aktionen gingen nicht gut aus, bei der ersten wurde der Pfleger massiv mit Gift bespritzt, was einen Krankenhausaufenthalt nach sich zog, bei der zweiten entwickelten sich toxische Aerosole, welche den Anwender ebenfalls in die Knie zwangen…

Woraus eigentlich hervorgehen sollte, welchen Sinn die von mir angeführten Sicherheitsmaßnahmen erfüllen!

Die sichere Pflege von Protopalythoae:

Auch wenn mein Bericht bis dato sehr destruktiv zum Nachteil der Protopalythoae ausgefallen sein mag, befürworte ich die Pflege dieser Tiere, da es in meinen Augen sehr einfach zu haltende Korallen sind, welche in ihrer Schönheit durchaus überzeugen!

Wie es auch für andere Krustenanemonenarten zu empfehlen ist, pflegt man sie auf einem gesonderten Stein abseits vom Riff. Wird der Stock zu groß, kann er unter Beachtung der Sicherheitsmaßnahmen mit gezielten Schnittmaßnahmen unter Wasser ausgedünnt werden. Die Tiere benötigen keine sonderlich starke Strömung, und auch an die Lichtverhältnisse werden keine besonderen Anforderungen gestellt. Je nach Höhe des Nitratwertes kann die Farbausprägung variieren.

Wer also diese schönen Korallen auf seinem LS entdeckt, muss nicht gleich in Panik verfallen! Genauso wenig gehört ein betroffener Stein sofort entsorgt. Vielleicht gibt es Aquarianer in der Nähe, welche die Tiere zu sich aufnehmen möchten, falls es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist die Tiere selber zu pflegen…

Für den Notfall, der hoffentlich nicht eintreten wird, kann man sich über diese Internetseite die Nummer der Giftnotrufzentrale für seinen zuständigen Bereich heraussuchen.

http://www.giz-nord.de/cms/index.php/gif…liste-lang.html

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Mittwoch, 30. Juli 2014, 20:25

Nesselgifte
Spätestens wenn ein Aquarium zu wuchert, wird jedem Pfleger klar werden, dass die Korallen um jeden Zentimeter einen unerbittlichen Kampf ausfechten.
Während die einen lange Kampftentakeln bilden, deren Enden mit besonders vielen Nesselzellen ausgestattet sind,



nutzen andere ihre langen Polypen, um sich durch gezieltes Vernesseln Platz zu schaffen.



Weitere Gattungen stülpen netzförmige Gebilde (Mesenterialfilamente) aus ihrem Inneren, womit sie die zu bekämpfenden Korallen nicht nur zerstören, sondern das geschädigte Gewebe gleich mit verdauen.


(älterer Nesselschaden durch Hydnophora)

Krustenanemonen gehen noch einen Schritt weiter, indem sie das Gift Palytoxin produzieren, welches die Zellen benachbarter Tiere auflösen kann.

Der Hauptauslöser für Nesselattacken ist die Berührung diverser Korallen untereinander. Aber nicht jedes Tier wartet darauf…
Manche Gattungen geben regelmäßig Sekrete (Sekundärmetabolite) ins Wasser ab, was einige Korallen in Wachstum und Entwicklung hemmt, andere aber wiederum dazu anregt, vermehrt Kampftentakeln zu bilden, selbst wenn sich kein „Gegner“ in unmittelbarer Reichweite befindet.
Möglicherweise ist dies der Grund, warum gerade in Mischbecken die Pflege diverser Korallen nicht oder nur begrenzt realisierbar ist. Hier kann aber eine ausreichend Abschäumerleistung, die regelmäßig Filterung über Aktivkohle, sowie ein dauerhaftes Einleiten von geringen Mengen Ozon entgegenwirken.

Abschließend habe ich eine Liste diverser stark oder weniger stark nesselnder Tiere begonnen, welche gerne berichtigt und/oder erweitert werden darf.

Und hier geht es zur Diskussion.