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Dietmar

FG-Meeresaquaristik Berlin-Brandenburg

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Samstag, 26. April 2014, 21:01

Lebendfutter Teil 2

Lebendfutter Teil 2

In diesem Teil möchte ich Euch technisches Equipment vorstellen, welches bei mir zum Einsatz kommt. Vorweg: es gibt nichts was man nicht verbessern könnte und daher sind die gezeigten Materialien vielleicht nicht optimal. Einige Geräte sind auch nur für diesen Vortrag für Demonstrationszwecke vorgestellt. Sie funktionieren selbstverständlich und in der Vergangenheit wurden viele Tiere darin aufgezogen – in der Praxis verwende ich heute preiswertere Materialien, die allerdings nach dem gleichen Prinzip konstruiert sind. Es ist eine Frage der Kosten, welche alternative Lösungen suchen und finden lässt. Die Züchterei an sich ist teuer genug, mein Budget nicht unbeschränkt und ein gewisses Augenmaß zwischen Aufwand und Nutzen ist daher angebracht. Und da kommt so einiges zusammen... Wirtschaftlich wird es nur wenn es gelingt große Mengen mit hohen Qualitätsstandart zu produzieren. Der Absatz der Tiere ist für Züchter bisweilen problematisch und wenn das nicht funktioniert, entstehen Kosten die man nicht decken kann. Deshalb ist es für Unternehmen einfach nicht wirtschaftlich genug, sich mit dieser Problematik zu befassen und Zwänge wie Importbeschränkungen existieren nicht. So sehe ich in der nächsten Zeit keine Änderung der Situation, Nachzuchttiere vor Import zu bevorzugen. Längerfristig allerdings schon, einfach weil die Ressourcen nicht unerschöpflich sind und das könnte sich innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne ändern. Damit will ich den Züchterblick auf trübe, ökonomische Aussichten beenden und den Idealismus und das Interesse der Züchter wieder in den Fokus stellen.

Der Behälter der ersten Tage
Wenn es gelungen ist, die Larven aufzufangen, stellt sich die Frage wie sie gehalten werden müssen um sie zu füttern. Welche Bedürfnisse haben Larven bezüglich Futterdichte, Wasserbewegung, Wasserbelastung (Ammoniak), Keimzahlen, Licht usw. Das kann je nach Art sehr unterschiedlich sein und sich im Laufe der Zeit erheblich verändern.
Als universales Behältnis haben sich zylindrische Gefäße für die meisten Tiere als beste Bauform geeignet. Die sogenannten Kreisel für Garnelen oder aber auch das, was ich verwende. Hier wird der Kontakt der Tiere zu Wandungen weitestgehend vermieden, welche von Bakterien besiedelt werden und für die Larven sehr schädlich sein können. Die Strömung bekommt man darin so gut hin, dass sich Zonen bilden, in denen die Tiere sich bevorzugt aufhalten. Es gibt keine Ecken, in denen die Tiere sich zurückziehen und dann verhungern usw. Die Behälter sind in der Regel relativ klein um die Futterdichte für die Larven einigermaßen hoch halten zu können. 2-5 Liter Volumen genügen die erste Zeit durchaus für die meisten Tiere.
Meine Behälter haben verschiedene Anschlüsse für die Versorgung mit Luft für die Wasserbewegung und gleichzeitigem Minifilter, Zu- und Abläufe für Wasser und Futter. Von außen können die Behälter mittels Folie abgedunkelt werden, von oben kann dosiert Licht in den Behälter gelangen. Das ist wichtig damit die Larven das Futter erkennen, die Futterbewegung ist ein Schlüsselreiz für den lange anhaltenden Fresstrieb. Wasserstand und Salzdichteschwankungen sind im Behälter kein Problem; die Flucht des Futters ist nahezu unmöglich obwohl ständig Wasser ausgetauscht wird. Die Futterzufuhr erfolgt mit Automat für eine selektive Fütterung. Das erfordert die erste Zeit etwas mehr Aufwand, weil die Größe der Futtertiere im Verhältnis zu Bau der Verdauungsorgane und der Größe der Larven steht und hier sorgfältig ausgewählt werden muss. Verschiedene Siebe sind daher bei Futter unerlässlich aber das gilt nur bis die Entwicklung der Tiere so weit fortgeschritten ist dass sie andere Futtermittel aufnehmen und verdauen können. Sind die Tiere dann etwas größer, steigt der Platzbedarf und es müssen für einige Arten Deckungsmöglichkeiten geschaffen werden. Der runde Behälter ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zwingend erforderlich da die Larven sehr viel beweglicher werden um aktiv ihr Futter zu erbeuten.




In diesem Behälter dienen die drei seitlich angebrachten Rohre der Wasserableitung und Frischwasser Versorgung. Die Abläufe sind innen mit einem Filtervorsatz versehen. Dafür eignen sich z.B. die groben Sinterausströmer sehr gut, da sie einen hohen Wasserdurchsatz ermöglichen ohne das Zooplankton passieren zu lassen. Im Deckel befinden sich zwei Bohrungen für Luftzufuhr und dem Futterzulauf aus dem Automat. Die Luftzufuhr benötige ich für einen kleinen Innenfilter um Mulm abzuziehen und gleichzeitig wird eine Strömung erzeugt. Diesen Behälter benutze ich heute allerdings nicht mehr, da die Herstellung und das Material unverhältnismäßig teuer sind und eine gute Alternative gefunden wurde. Für die Demonstration eines Aufzuchtbehälters mag es zunächst genügen. Zu- und Ablauf des Wassers können aus einem Aquarium erfolgen aber manchmal ist ein separater Kreislauf zur Wasserbehandlung erforderlich. Hier können dann Temperatur, Salzdichte, Abschäumung usw. den Bedürfnissen besser angepasst werden als mit dem Wasser des Aquariums. Die hohe Besatzdichte und mehrere Behälter gleichzeitig machen das bisweilen erforderlich.

Das Lebendfutter und die Produktion
Für die Produktion von Zooplankton ist hauptsächlich Phytoplankton erforderlich. Jede Planktonart setzt verschiedene Kulturbedingungen voraus. Das sind Düngemittel, Temperatur, Salzdichte, Wasserbewegung, Artentrennung, Kulturausdünnung, Backupkulturen und nicht zuletzt eine Keim arme Arbeitsweise. Das ist mitunter sehr aufwändig und schwierig umzusetzen, wenn man sich nicht nur auf Nanoplankton beschränken will. Ein weiteres Problem ist die Menge an Phytoplankton, was man produzieren muss um ausreichend Futter für die Fische bereitzustellen. Das wird oftmals unterschätzt! Dazu muss man wissen, dass für die Gewichtszunahme von 1 Gramm für einen Fisch die 10 fache Menge an Zooplankton erforderlich ist. Um aus 1 Gramm Zooplankton 2 Gramm zu machen, braucht man 10 Gramm Phytoplankton. Hat man nun einige hundert Tiere in der Zucht, kommt da einiges zusammen: Wasser, Salz, Spezialdünger, Energie..., nicht zuletzt Arbeitszeit.
Für meine Phytoplanktonzucht habe ich mich auf vier Arten Phytoplankton beschränkt und ziehe das in zehn 5 Liter Trinkwasserflaschen auf. Diese 50 Liter Phytoplankton sind natürlich nicht gleichzeitig verfügbar sondern immer zeitlich versetzt. Es dauert einige Zeit bis das Phyto geerntet werden kann, einiges muss für einen Neuansatz zurückbehalten werden (ca. 20%). So ist die Ausbeute mit dieser Methode nicht besonders hoch. Und das Schwerlastregal kommt auch an seine Grenze! Es geht aber auch anders, wie Sylvio es einmal vorstellte. Für die Desinfektion der Behälter und Luftschläuche benutze ich vergällten Alkohol. Das Einschleppen von Futtertieren in die Behälter muss unbedingt vermieden werden, das geschieht viel zu oft und alle Mühen und Aufwand sind für die Katz! Darum ist die Desinfektion das A und O bei der Phytoplanktonzucht.

Bild Futterstation

Hat man das Phytoplankton erntereif kann man am einfach Zooplankton in die Behälter füllen, verschiedene Mischungen zusammenstellen oder im Kühlschrank im Dunkeln einige Zeit lagern. Wer über eine Zentrifuge verfügt, kann das Plankton hoch konzentrieren, das macht die Lagerung sehr viel einfacher. Solche Planktonkonzentrate sind auch käuflich. Sie setzen sich aus mehr oder weniger geeigneten Arten zusammen, sind einige Zeit im Kühlschrank lagerbar. Solche Konzentrate setze ich bisweilen ein, wenn sich das Zooplankton im Futterautomat befindet um möglichst lange den Ernährungszustand der Futtertiere zu erhalten. Oftmals hat man dann noch einige andere Planktonarten als durch eigene Zucht.

Ein Lebendfutterautomat
Dieses Gerät ist eine sinnvolle Investition. Neben einer Intervallfütterung kann die Fütterungszeit entsprechend den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden (z.B. Tag oder Nacht) und wenn man berufstätig ist, entlastet man sich erheblich mit Arbeit. Der Futterautomat für das Lebendfutter ist nicht nur in der Zucht zu empfehlen; auch im Normalbetrieb für das Aquarium eine feine Sache.
Der Bau eines Gerätes ist nicht schwierig. Ein Volumen von etwa 3-5 Liter sollte eine Intervallfütterung für mindestens 24 Stunden ermöglichen. In der Zeichnung ist das Funktionsprinzip besser zu sehen als mit einem Foto. Man sollte sich das so einfach wie möglich bauen und das Gerät gelegentlich in den Geschirrspüler stellen um Algen und Bakterienaufwuchs so gering wie möglich zu halten.
Neben dem Zooplankton fülle ich in den Vorratsbehälter etwas Phytoplankton Konzentrat. Der Zulauf geschieht mit einer Regulierung durch einen Hahn, der Ablauf entleert sich selbsttätig, wenn ein bestimmter Pegel erreicht wird. Das Schott verhindert die vollständige Entleerung des Vorratsbehälters. Eine sehr präzise Dosierung an Menge und Intervall ist sehr gut möglich. Probleme macht allerdings Zooplankton, welches gelegentlich Substrate besetzt, besonders Brachyonus. Hier muss dann die Umwälzung im Vorratsbehälter erhöht werden. Das kann man mittels Luftheber einfach bewerkstelligen. Umwälzpumpen sind wegen des Schreddern des Zooplankton nicht zu empfehlen.



LG Dietmar

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